Grab Jesu

5. Februar 2007 Der amerikanische Bibelwissenschaftler James Tabor und der britische Archäologe Shimon Gibson behaupten, das Familiengrab Jesu identifiziert zu haben. Es handelt sich um ein schon 1980 in Jerusalem entdecktes Kammergrab mit zehn Knochenkästen, sogenannten Ossuaren. Sechs davon sind beschriftet. Nach Tabor und Gibson handelt es sich um die Namen von Jesus, Maria, Joseph, Matthäus, Maria Magdalena sowie eines Sohnes von Jesus namens Juda.
Es geht wieder einmal um eine alte, längst widerlegte Geschichte. Sie begann so: 1980 entdeckte der israelische Archäologe Joseph Gath im südlichen Jerusalemer Vorort Talpioth eine Grabanlage aus der Zeit vor 70 n. Chr. Da der Ausgräber kurze Zeit darauf starb, wurde der Fund erst nur kurz angezeigt. Im Grab, das schon einmal ausgeraubt worden war, fand man zehn kleine Steinsärge. In solchen Ossuarien wurden nach der Verwesung der Leichname die Gebeine von Verstorbenen für eine Zweitbestattung gesammelt. Auf sechs von zehn Kalksteinsärgen standen Namen von Beigesetzten. Die fünf Namen »Joseph«, »Maria«, »Matthäus«, »Jesus, Sohn des Joseph« und »Judas, Sohn des Jesus« sind in hebräischen Buchstaben geschrieben, der Namen »Mariamene«, eine andere Form des Namens Mariam, in griechischen Buchstaben. Die Inschriften wurden 1994 von Levi Y. Rahmani in seinem Standardwerk über Ossuarien veröffentlicht. 1996 erschien ein etwas ausführlicher Bericht über die Grabung von Amos Kloner. Beide Forscher stellten keinerlei Beziehung zum Neuen Testament her, sondern bemerkten nur, dass alle Namen zu den damals häufigsten in Israel gehören. Wie schon festgestellt wurde, gehören alle Namen zu den damals häufigsten in Israel. Es war deshalb statistisch zu erwarten, dass die Namen auch einmal in der Kombination von Talpioth auftauchen würden. Schon seit Jahrzehnten kennen wir ein zweites Ossuar mit der Aufschrift »Jesus, Sohn des Joseph«. Sollen wir daraus schließen, dass es Jesus von Nazareth gleich doppelt gegeben hat? Wirklich bedeutungsvoll wäre gewesen, wenn man den Namen »Maria Magdalena« gefunden hätte, aber das ist nicht der Fall. Die sensationellen Behauptungen widersprechen nicht nur den Berichten der Evangelien, sondern auch der von ihnen unabhängigen Überlieferung für das Grab Jesu in der Jerusalemer Grabeskirche. Diese Überlieferung hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche archäologische Unterstützung erfahren. Die Sensationsmeldungen wurden in der deutschen Presse weitgehend mit Skepsis aufgenommen. Noch wichtiger ist die Kritik israelischer Forscher, die hier einen Missbrauch der archäologischen Wissenschaft sehen. Amos Kloner wird mit der Bemerkung zitiert: »Es ist eine sehr schöne Geschichte, aber es gibt keinen Beweis dafür«. Noch drastischer äußert sich Joe E. Zias zu den dubiosen DNA-Tests, die an den Ossuarien vorgenommen wurden. Der Anthropologe Zias ist der wohl beste Kenner, wenn es um antike Gebeine in Israel geht. Literatur: Otto Betz – Rainer Riesner, Verschwörung um Qumran?, München 2007; Alexander Schick, Das wahre Sakrileg, München 4. Auflage 2006.
Angebliches Jesusu Ossuar Statistische Analyse

So sehr die Inschrift "Jesus, Sohn des Joseph" für Uneingeweihte als Sensation gelten mag, so kalt lässt sie Archäologen. Der Name Jesus war zu seiner Zeit ebenso häufig wie Joseph. Ähnliches gilt für die anderen Inschriften. Erst eine speziell für die Dokumentation in Auftrag gegebene statistische Berechnung von Prof. Andrey Feuerverger kommt zu dem Ergebnis, dass die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es sich nicht um das Grab der Jesus-Familie handelt, bei verschwindenden
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liegt. Dazu wertete Prof. Feuerverger die auf hunderten Ossuaren nachweisbaren Namen aus und gewichtete die in Talpiot gefundenen entsprechend. Seine vorsichtige Rechnung zeigt, dass das beständig wiederholte Argument, die Häufigkeit der Namen mache das Jesus-Grab zur reinen Spekulation, widerlegt ist. Eine DNA-Analyse von Knochenresten aus dem Jesus- und dem Mariamne-Ossuar zeigt außerdem, dass beide nicht mütterlicherseits verwandt und demnach keine Geschwister waren.
Das ist der angebliche Sarg von Judah, Sohn des Jesus. So lautet zumindet die Inschrift.
   

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