Tempel

Das Zeltheiligtum

Das Zeltheiligtum (Tabernakel, Stiftshütte)

Im 2. Buch Mose (Ex 25-27, Ex 36-39 ) ist die Konstruktion eines zerlegbaren und transportablen Zeltheiligtums sehr detailliert beschrieben. Dort wird das Heiligtum „Zelt der Begegnung“ (Ex 27,21 ) genannt. Dieser Name wird in späteren lateinischen Übersetzungen als Tabernakel wiedergegeben. In der Lutherbibel heißt das Heiligtum „Stiftshütte“.

Das Zelt diente den Israeliten während ihrer Wüstenwanderung und bis zur Zeit König Davids als zentraler Ort der Begegnung mit Gott. Zuerst wurde es auf den Wanderungen mitgeführt, später hatte es seinen Standort in Schilo etwa in der Mitte des Landes Israel. Nachdem David Jerusalem von den Jebusitern erobert und zur Hauptstadt Israels gemacht hatte, ließ er das Zeltheiligtum dorthin bringen. Später wurde es möglicherweise in zerlegter Form im unten beschriebenen salomonischen Tempel aufbewahrt; spätestens mit der Zerstörung dieses Tempels ging es verloren.


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Der erste Tempel

Der salomonische Tempel

Informationen über den salomonischen Tempel liefert lediglich die Bibel. Davon unabhängige historische Zeugnisse sind nicht bekannt. Die Aufzeichnungen über den Salomonischen Tempelbau finden sich – außer einzelnen Notizen bei Jer 52 und in 2 Kön 25 – in 1 Kön 5,15-6,38 , und 2 Chr 1,18-5,1 .

Nach biblischen Angaben (1 Kön 6,1) wurde der Bau des ersten festen Tempels von Salomo im vierten Jahr seiner Regentschaft begonnen, das entspricht nach biblischer Chronologie dem Jahr 957 v. Chr. Die Bauzeit betrug sieben Jahre (1 Kön 6,38 ). Das steinerne Gebäude wurde mit Hilfe phönizischer Baumeister auf dem Berg Moria in Jerusalem errichtet und hatte die Maße von 60 Ellen Länge, 20 Ellen Breite und 30 Ellen Höhe. Es war an drei Seiten mit Seitenzimmern in drei Stockwerken übereinander umgeben, welche zur Bewahrung der Schätze und Gerätschaften des Tempels dienten. Der Eingangsseite vorgelagert war eine 10 Ellen breite Vorhalle. Davor standen zwei bronzene Säulen, Jachin und Boas („Festigkeit und Stärke“), die keine konstruktive Funktion hatten, sondern den Eingang zur Vorhalle flankierten. Wie in der Antike üblich befand sich der Eingang im Osten, das Allerheiligste im Westen.

Das Innere enthielt einen 40 Ellen langen Vorderraum, das Heilige, worin die goldenen Leuchter, der Schaubrottisch und der Räucheraltar standen, und einen durch einen Vorhang davon geschiedenen quadratischen Hinterraum von 20 Ellen Länge, das Allerheiligste, mit der Bundeslade und den zwei großen Cherubim. Beide Räume waren an den Wänden, das Allerheiligste (Adyton) auch am Boden und an der Decke mit Holzwerk getäfelt. Der große Hauptaltar für die Brandopfer stand im Hof, vor dem Eingang des eigentlichen Tempels.

Das Tempelgebäude war von einem inneren Vorhof der Priester mit dem Brandopferaltar, dem Reinigungsbecken und anderen Gerätschaften umgeben, und dieser durch Säulengänge mit bronzenen Toren von dem für das Volk bestimmten und von einer Mauer umschlossenen äußern Vorhof getrennt.

Der Tempel wurde zu Beginn des babylonischen Exils von den Babyloniern zerstört.

Der serubbabelische Tempel

Nachdem der salomonische Tempel 586 v. Chr. durch Nebukadnezar II. zerstört worden war, wurde einige Jahrzehnte nach der Rückkehr der Juden aus dem Babylonischen Exil der zweite, nach Serubbabel genannte Tempel errichtet.

Dieser wurde wahrscheinlich an gleicher Stätte und zumindest grob nach dem Plan des ersten erbaut und 516 v. Chr. vollendet. Er reichte in Größe und Pracht nicht an den ersten Tempel heran.

Das Allerheiligste war jetzt leer, da die Bundeslade bei der Zerstörung des salomonischen Tempels vermutlich verloren gegangen war. Die Auseinandersetzungen um den Neubau des Tempels haben im Haggaibuch ihren literarischen Niederschlag gefunden.

Durch Antiochos IV. Epiphanes 169 v. Chr. entweiht, wurde dieser Tempel von Judas Makkabäus wiederhergestellt (was bis heute im Chanukka-Fest gefeiert wird) und militärisch befestigt.


Der Herodes Tempel

Unter Herodes dem Großen begann seit 21 v. Chr. eine gänzliche Umgestaltung des Tempels in großartigem Maßstab und im griechischen Stil (daher Herodianischer Tempel). Diese Tempelanlage war nach Flavius Josephus ein Stadion (zwischen 185 bis 200 m) lang und ein Stadion breit. Im jüdisch-römischen Krieg im Jahr 70 war der Tempel die letzte Schutzwehr der Juden und wurde schließlich zerstört. Einige Historiker vermuten, dass die Juden den Tempel selbst anzündeten, um seine Entweihung zu verhindern. Von der Klagemauer wird heute angenommen, sie sei der einzige erhaltene Teil der unter Herodes errichteten Westmauer der Tempelberganlage.

Auf dem Tempelberg entstand dann zunächst ein römischer Jupiter-Tempel, der unter dem zum Christentum konvertierten römischen Kaiser Konstantin niedergerissen wurde, worauf er eine christliche Basilika erbauen ließ. Unter dem wieder zum Heidentum zurück konvertierten römischen Kaiser Julian Apostata gab es einen Versuch, den jüdischen Tempel wieder zu errichten. Er plante 363 den Wiederaufbau in Jerusalem, was jedoch dann zugunsten des Perserfeldzugs zurückgestellt und niemals verwirklicht wurde.