Turmbau zu Babel
Der Turmbau zu Babel (Gen 11,1-9) ist zusammen mit der babylonischen Sprachverwirrung trotz ihres geringen Umfangs von nur neun Versen eine der bekanntesten biblischen Erzählungen des Alten Testaments.
Dort wird das Turmbau-Vorhaben als Versuch der Menschheit gewertet, Gott gleichzukommen. Wegen dieser Selbstüberhebung straft Gott die Völker, die zuvor eine gemeinsame Sprache hatten, mit Sprachverwirrung und zerstreut sie über die ganze Erde.
Die biblische Erzählung
Die Bibel erzählt von einem Volk aus dem Land Schinar im Osten. Diese Volk wollte einen Turm bauen dessen Spitze in den Himmel ragte.
Es stieg der Herr herab, um sich Stadt und das Bauwerk anzusehen.
Der HERR sah, dass der Mensch in seinem bestreben den Himmel zu erreichen, Gott gleich werden wollte.
Um dieses Bestreben nichte zu machen verwirrte GOTT der Menschen Sprache. Da nun ein jeder eine ander Sprache sprach war an einem koordinierten Bau nicht mehr zudenken und die Menschen verliessen diesen Ort und der Bau wurde nicht fertig gestellt.
Bedeutung des Wortes Babel
In hebräisch bedeutet „Babel“ Geplapper oder Gebrabbel.
Die griechische Form des Namens, Babylon, leitet sich vom Akkadischen bāb-ilim ab, was „Tor der Götter“ bedeutet.
Theologische Deutung
Die Geschichte vom Turmbau zu Babel steht im Alten Testament zeitlich nach der Sintflut und vor der Reise Abrams (dem späteren Abraham) nach Haran. Sie beschließt somit die Reihe der Unheilsgeschichten (Gen 3–11).
Unter Verwendung vor- und außerisraelitischen Materials stellt der Redaktor die Menschheitsgeschichte seit dem Sündenfall als eine Abfolge von Katastrophen dar: Verlust des paradiesischen Urzustandes, Brudermord, Sintflut, Entzweiung und Zerstreuung. Als Ursache dieses Unheils erscheint das Streben der Menschen nach gottgleicher Allmacht (Gen 3,5 ), das die schöpfungsmäßigen Grenzen überschreitet.
Tatsächlich weisen die Erzählungen über die Bosheit der Menschen vor der Flut strukturelle Ähnlichkeiten mit der Turmbauerzählung auf:
* Nach der Ermordung Abels zieht Kain, zusammen mit seinem Sohn Henoch, in das Land Nod, wo er eine gleichnamige Stadt gründet (Gen 4,16). Die Riesen und Helden der Vorzeit gehen auf die widergöttliche Vereinigung der Menschentöchter mit den Gottessöhnen zurück( Gen 6,1–8). Zur Strafe löscht Gott die Menschheit in der Flut aus.
* Nach der Flut zieht Kusch, bzw. sein Sohn Nimrod in das Land Schinar, wo er unter anderem die Stadt Babylon gründet. Nimrod wird als der erste Held auf der Erde bezeichnet (Gen 10,8–10). Erneut versuchen die Menschenkinder eine hochmütige Annäherung an das Göttliche, indem sie versuchen einen Turm zu bauen, der bis zum Himmel reicht. Vielleicht wird hier eine generelle Kritik an der städtischen Zivilisation geübt, die der nomadischen Lebensweise der frühen Hebräer gegenübersteht.
Auch diesmal bleibt die Strafe nicht aus, jedoch erfolgt sie nicht in Form einer erneuten Ausrottung, sondern nur als Sprachverwirrung, weil Gott zuvor einen Bund mit Noach geschlossen hatte: Ich will die Erde wegen des Menschen nicht noch einmal verfluchen; denn das Trachten des Menschen ist böse von Jugend an. Ich will künftig nicht mehr alles Lebendige vernichten, wie ich es getan habe. ( Gen 8,21) Die Menschen haben sich also nicht geändert, nur das Verhältnis Gottes zu den Menschen.
Historische Bezüge
Die Existenz eines Turms zu Babylon ist seit 1913 archäologisch nachgewiesen. Es handelt sich um eine Tempelanlage (Zikkurat) in Babylon, deren Fundamente der deutsche Architekt und Archäologe Robert Koldewey freigelegt hat.
Urkundlich erwähnt wird der Turm als Zikkurat von Etemenanki (sumerisch: Haus des Himmelsfundaments auf der Erde) in der Tempelanlage Esagila (sumerisch: Tempel des erhobenen Hauptes) erstmals in den Annalen des assyrischen Königs Sanherib (Sennacherib), der 689 v. Chr. den Tempel zerstörte, aber die Stadt verschonte.
Seine Nachfolger Assurhaddon (680–669 v. Chr.) und Assurbanipal (668–631 v. Chr.) begannen mit dem Wiederaufbau, wie Inschriften im Fundament belegen. Nach der Befreiung von der assyrischen Herrschaft setzte der neubabylonische Herrscher Nabopolassar den Ausbau der Anlage fort, sein Sohn Nebukadnezar II. (604–562 v. Chr.) vollendete ihn.
Der Turm hatte eine Grundfläche von 91,48 m × 91,66 m und eine Höhe von etwa 91 m, wahrscheinlich abgestuft in sieben, nach dem Geschichtsschreiber Herodot[1] in acht Plateaus. Den Abschluss bildete ein Tempel, dessen Räume nur von Priesterinnen betreten werden durften. Wahrscheinlich nutzten Priester das Dach des Gebäudes, um dort astronomische Beobachtungen durchzuführen.
Als Baumaterial verwandten die Babylonier gebrannte Lehmziegel, wobei sie die Außenziegel farbig emaillierten.
Zweiundsiebzig Sprachen
Zweiundsiebzig Sprachen und Völker waren nach christlich mittelalterlicher Tradition das Ergebnis des Turmbaus zu Babel und der darauf folgenden Babylonischen Sprachverwirrung (Gen 11,1-9). Die Zahl geht auf die Völkertafel der Genesis (Gen 10) zurück, welche die Nachkommen Noahs aufführt und geographisch einordnet.
Die Söhne Noahs hießen Sem (sem „Name“, „Ruhm“), Ham (xam „Sonnenbrand“) und Japhet („Ausbreitung“). Die semitischen Völker befanden sich laut Überlieferung in Vorderasien, die hamitischen lagen im Süden und die japhetitischen besiedelten Westen, Norden und Osten der damals bekannten Welt. In der mittelalterlichen Tradition wurden die drei Söhne Noahs darum auch mit den drei Kontinenten Asien, Afrika und Europa in Beziehung gesetzt. Da sich jede christliche Nation von Armenien über Portugal bis Island auf dieser Völkertafel zu erkennen glaubte, wurde die Tafel bis in die Neuzeit hinein häufig neu ausgelegt.
Die Sprachverwirrung soll der christlichen Lehre zufolge durch das Pfingstwunder überwunden werden.
Die jüdische Überlieferung spricht von 70 Sprachen.
Pfingstwunder
Pfingsten (von griech. πεντηκοστή [ἡμέρα], pentekostē [hēmera], „der fünfzigste Tag“) ist ein christliches Fest jüdischen Ursprunges.
Es geht auf das jüdische Wochenfest Schawuot zurück und wird wie dieses am fünfzigsten Tag nach Ostern bzw. Pessach gefeiert.
Gefeiert wird von den Gläubigen die Entsendung des Heiligen Geistes.
Im Neuen Testament wird in der Apostelgeschichte erzählt, dass der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger herabkam und sie befähigte in unterschiedlichen Zungen (Sprachen) zu reden, als sie zum Pfingstfest (Schawuot) in Jerusalem versammelt waren (Apg 2,1-41). Dieses Datum wird in der christlichen Tradition auch als Gründung der Kirche verstanden. Als christliches Fest wird Pfingsten erstmals im Jahr 130 erwähnt.
Quelle: Wikipedia
Andacht über den Turmbau zu Babel
Mit freundlicher Genehmigung von Hr. Pfarrer Christian Tsalos







