Das Buch Hiob

Das Buch Hiob

Das Thema des Hiobbuches ist die Frage danach, ob das Leid in der Welt einen Sinn hat. Es besteht aus einer älteren Prosaerzählung (Kap 1–2 und 42), in die später die umfangreiche Hiobdichtung mit Streitgesprächen und Gottesreden eingebettet wurde (Kap 3–42,6).

Die Hiobdichtung stellt uns einen frommen und wohlhabenden Mann vor. In Gottes himmlischer Wohnung stellt der Satan die Frage, ob Hiob nicht bloß deswegen fromm sei, weil es ihm gut gehe. Daraufhin gestattet Gott dem Satan, den Menschen Hiob zu prüfen. Zunächst nimmt der Satan Hiob seinen Besitz weg, später seine Kinder und schließlich die Gesundheit. Wider Erwarten aber hält Hiob Gott die Treue.

Die hier einsetzende Hiobdichtung stellt uns die Gespräche eines Leidenden mit seinen drei Freunden vor (später tritt ein vierter hinzu: Kap 32–37). Die Klage Hiobs und der Zuspruch der anderen führen zu einem leidenschaftlichen Streit. Denn der aufbegehrende Einzelgänger bricht unter dem Druck des Leidens aus den Denkkonventionen seiner Zeit aus. Diese werden zwar fast ermüdend von den Freunden vorgetragen, aber Hiob kommt öfter und länger zu Wort. Schließlich richten sich seine Reden nur noch an Gott (Kap 29–31) und münden in einer Herausforderung:

Gäbe es doch einen, der mich hören wollte!
Was ich gesagt habe, kann ich unterschreiben.
Gott, der Gewaltige, soll Antwort geben!
Er zeige mir die Klageschrift des Gegners! (Hiob 31,35)

Gott geht auf diese Provokation ein. Im Wettersturm erscheint er und ergreift selbst das Wort. Er antwortet Hiob mit einer Flut von Gegenfragen, von denen eine lautet:

Wo warst du, als ich die Erde gründete?
Sage mir’s, wenn du so klug bist! (Hiob 38,4)

Gott stellt dem klagenden, rechtenden und hadernden Hiob die Beschaffenheit der Welt vor Augen. Sie stellt sich nach seinem Plan als ein nicht sehr stabiles Gleichgewicht im Ringen zwischen Chaos und Ordnung dar. Da Hiob diesen Grund- und Bauplan der Welt nicht kennt, sind seine Vorwürfe gegen Gott eine Anmaßung. Denn er hatte seine eigene Erfahrung zum Maßstab für das Weltganze gemacht. Dass dies eine Selbstüberhebung ist, sieht Hiob zuletzt ein: Die Welt muss dem begrenzten Erkennen des einzelnen Menschen widerspruchsvoll erscheinen. Er bedarf der Belehrung durch Gott. Denn es ist allein die Macht Gottes, die diese Welt trägt und erhält.

Abschließend werden die drei Freunde Hiobs von Gott zurechtgewiesen. Sie hatten sich zwar zu Anwälten Gottes gemacht, aber derart, dass sie sich über ihn stellten.

Die Prosaerzählung, die einen Rahmen um die Hiobdichtung bildet, geht freilich gut aus. Weil Hiob die Prüfung durch den Satan besteht, erhält er, wie im Märchen, alles doppelt zurück, was er verloren hatte.

Quelle: www.die-bibel.de

Hiob 1,1-22

Ansichten
Frömmigkeit unter Belastung (Hiob 1,1-22)

Wird Religion wieder gesellschaftsfähig? Freimütig reden Gesprächsteilnehmer in den Medien vom Beten und über Gottesverehrung. Wie steht es aber um deren Frömmigkeit in der Bewährungsprobe? Hiob war nicht deshalb fromm, weil es nun mal dazugehörte. Nein, er lebte, was er glaubte. Anerkennend lobt Gott seine Frömmigkeit vor Satan, der wie immer etwas einzuwenden hat: Hiobs Frömmigkeit sei nichts Besonderes, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Was aber, wenn nicht mehr alles glattgeht und alle äußeren Sicherheiten wegbrechen? Wird er nicht anklagend fragen: Gott, warum? Wird er nicht fragen, ob seine ernsthafte Frömmigkeit umsonst war, und sich enttäuscht von Gott abwenden? Nein, seine Frömmigkeit ist echt. Er kann sagen: Was Gott gegeben hat, kann er auch wieder nehmen. Und anerkennend lobt er Gott.
Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.“ Hebräer 10,35

Bibellesung
Hiob 1,1-22

1 Im Land Uz lebte ein Mann namens Hiob, der rechtschaffen und aufrichtig war. Weil er Ehrfurcht vor Gott hatte, hütete er sich davor, Böses zu tun.
2 Er hatte eine große Familie mit sieben Söhnen und drei Töchtern
3 und besaß riesige Viehherden: 7000 Schafe und Ziegen, 3000 Kamele, 500 Rindergespanne und 500 Esel, dazu sehr viele Hirten und Mägde. Hiob war der reichste und angesehenste von allen Herdenbesitzern im Osten.
4 Jahr für Jahr feierten seine Söhne reihum in ihren Häusern Feste, zu denen sie auch ihre Schwestern einluden.
5 Immer wenn die Festtage vorbei waren, ließ Hiob seine Kinder zu sich kommen, um sich mit ihnen auf ein Opfer vorzubereiten. Schon früh am Morgen stand er auf und brachte Gott viele Brandopfer dar, für jedes Kind eins. Das tat Hiob jedes Mal, denn er dachte: "Vielleicht haben sie bei ihren Gelagen Gott insgeheim verlassen und sich von ihm losgesagt."
Hiob wird auf die Probe gestellt
6 Eines Tages versammelten sich die Engel1 im Himmel und traten vor den Herrn, unter ihnen auch der Satan2.
7 "Woher kommst du?", fragte ihn der Herr. "Ich habe die Erde durchstreift", gab dieser zur Antwort.
8 Der Herr erwiderte: "Dann ist dir sicher auch mein Diener Hiob aufgefallen. Ich kenne keinen zweiten auf der Erde, der so rechtschaffen und aufrichtig ist wie er, der mich achtet und sich nichts zuschulden kommen lässt."
9 "Überrascht dich das?", fragte der Satan. "Er tut's doch nicht umsonst!
10 Du hast ihn, seine Familie und seinen ganzen Besitz stets bewahrt. Seine Arbeit war erfolgreich, und seine Herden haben sich gewaltig vermehrt.
11 Aber - versuch es doch einmal und lass ihn Hab und Gut verlieren, dann wird er dich ganz sicher vor allen Leuten verfluchen."
12 "Gut", sagte der Herr, "mach mit seinem Besitz, was du willst, nur ihn selbst taste nicht an!" So verließ der Satan den Herrn und die Engel.
13 Eines Tages feierten Hiobs Kinder wieder einmal im Haus ihres ältesten Bruders.
14 Da kam ein Bote zu Hiob und meldete: "Wir pflügten gerade mit den Rindern, die Esel weideten nebenan,
15 da überfielen uns Beduinen aus der Gegend von Saba und raubten die Tiere. Alle Hirten haben sie umgebracht, nur ich konnte entkommen, um es dir zu melden."
16 Im selben Moment stürzte schon ein anderer Bote herein: "Ein Unwetter3 hat deine Schaf- und Ziegenherden mitsamt den Hirten vernichtet, nur ich habe es überlebt, und jetzt bin ich hier, um es dir zu berichten."
17 Kaum hatte er ausgeredet, als schon der nächste Bote atemlos meldete: "Nomaden aus Babylonien haben unsere Kamelherden von drei Seiten überfallen und weggetrieben. Alle Hirten haben sie umgebracht, ich bin der einzige Überlebende!"
18 Im nächsten Augenblick kam wieder ein Bote an: "Hiob", rief er, "deine Kinder feierten gerade,
19 als ein Wirbelsturm aus der Wüste das Haus deines ältesten Sohnes erfasste und einstürzen ließ. Alle deine Kinder liegen unter den Trümmern begraben! Sie sind tot! Ich habe als Einziger dieses Unglück überlebt."
20 Da stand Hiob auf, zerriss sein Obergewand und schor sich den Kopf. Dann fiel er zu Boden und betete:
21 "Nackt bin ich zur Welt gekommen, und nackt verlasse ich sie wieder. Herr, du hast mir alles gegeben, du hast mir alles genommen, dich will ich preisen!"
22 Obwohl dieses Leid über ihn hereinbrach, versündigte Hiob sich nicht. Kein böses Wort gegen Gott kam über seine Lippen.

Hiob 2,1-10

Ansichten
Treu in schwerster Bedrängnis (Hiob 2,1-10)

„In diesem allen versündigte sich Hiob nicht ...“ Das wird in diesem kurzen Abschnitt festgehalten. Doch wie schwer jene Krankheit und die damit verbundene Anfechtung für Hiob waren, lässt sich kaum erahnen. Und wie schwerwiegend sich Satans Einwand auswirkt, kann wohl besonders jemand verstehen, der selbst in lebensbedrohlicher Lage war oder ist. Da meldet sich auch die Sinnfrage in unterschiedlicher Form zu Wort. Bei unheilbarer schwerer Krankheit wird dann über Sterbehilfe nachgedacht oder man wendet sich enttäuscht von Gott ab. Noch schwerer wird es, wenn von Nahestehenden solch ein Rat kommt, wie hier von Hiobs Frau. Sie rät ihrem Mann nicht nur, sich das Leben zu nehmen, sondern auch, sich von Gott loszusagen. Hiob aber hält an Gott fest. Jemand schrieb einmal: „Ich will mich lieber zu Tode hoffen, als im Unglauben sterben.“

Dennoch bleibe ich stets an dir.“ Psalm 73,23a

Bibellesung
Hiob 2,1-10

1 Wieder einmal versammelten sich die Engel und traten vor den Herrn, unter ihnen auch der Satan.
2 "Woher kommst du?", fragte ihn der Herr. "Ich habe wieder die Erde durchstreift", gab der Satan zur Antwort.
3 "Dann ist dir sicher auch mein Diener Hiob aufgefallen", sagte Gott. "Ich kenne keinen Zweiten auf der Erde, der so rechtschaffen und aufrichtig ist wie er, der mich achtet und sich nichts zuschulden kommen lässt. Immer noch vertraut er mir, obwohl du mich dazu verleitet hast, ihn ohne Grund ins Unglück zu stürzen."
4 Der Satan erwiderte bloß: "Kein Wunder! Er selbst ist doch noch mit heiler Haut davongekommen. Ein Mensch gibt alles her, was er besitzt, wenn er damit sein eigenes Leben retten kann.
5 Greif nur seinen Körper und seine Gesundheit an, ganz sicher wird er dich dann vor allen Leuten verfluchen!"
6 Der Herr entgegnete: "Ich erlaube es dir! Greif seine Gesundheit an, doch lass ihn am Leben!"
7 Da verließ der Satan den Herrn und die Engel und schlug zu: Eitrige Geschwüre brachen an Hiobs Körper aus, von Kopf bis Fuß.
8 Voll Trauer setzte Hiob sich in einen Aschehaufen, suchte eine Tonscherbe heraus und begann sich damit zu kratzen.
9 "Na, immer noch fromm?", wollte seine Frau wissen. "Mach doch Schluss mit Gott2 und stirb!"
10 Aber Hiob sagte nur: "Was du sagst, ist gottlos und dumm! Das Gute haben wir von Gott angenommen, sollten wir dann nicht auch das Unheil annehmen?" Selbst jetzt kam kein bitteres Wort gegen Gott über Hiobs Lippen.

Hiob 2,11-3,26

Ansichten
Sprachloses Klagen und quälendes Fragen (Hiob 2,11-3,26)

Wer vermag beim Lesen des Textes noch zu sagen: „Man soll nicht fragen Warum?, sondern Wozu?“? Das Unglück Hiobs wird von seinen Freunden nicht nur zur Kenntnis genommen oder im Austausch erörtert. Sie halten sich auch nicht fern, weil sie sich ohnmächtig fühlen, Hiob zu begegnen. Sie nehmen die Reise auf sich und zeigen ihre tiefe Betroffenheit. Wortlos halten sie sich zurück, bis Hiob selbst redet. Endlich, nach sieben Tagen, bricht es aus Hiob heraus. Es wäre besser, wenn der Tag seiner Geburt aus der Geschichte gestrichen würde. „Warum?“ Es ist die Sinnfrage, die ihn umtreibt. Und sie wiegt nicht leichter, weil Trauer und Krankheit etwa die Sinne getrübt hätten. Nein, weil er an Gott festhält, es aber nicht verstehen kann, darum quält ihn das Warum?

Aber ich harre, Herr, auf dich; du, Herr, mein Gott, wirst erhören.“ Psalm 38,16

Bibellesung
Hiob 2,11-3,26

11 Hiob hatte drei Freunde: Elifas aus Teman, Bildad aus Schuach und Zofar aus Naama. Als sie von dem Unglück hörten, das über ihn hereingebrochen war, vereinbarten sie, Hiob zu besuchen. Sie wollten ihm ihr Mitgefühl zeigen und ihn trösten.
12 Schon von weitem sahen sie ihn, aber sie erkannten ihn kaum wieder. Da brachen sie in Tränen aus, sie zerrissen ihre Kleider, schleuderten Staub in die Luft und streuten ihn sich auf den Kopf.
13 Dann setzten sie sich zu Hiob auf den Boden. Sieben Tage und sieben Nächte saßen sie da, ohne ein Wort zu sagen, denn sie spürten, wie tief Hiobs Schmerz war.

1 Dann erst begann Hiob zu sprechen. Er verfluchte den Tag seiner Geburt
2 und sagte:
3 "Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren wurde, und auch die Nacht, in der man sagte: 'Es ist ein Junge!'
4 Jener Tag versinke in tiefer Finsternis - kein Licht soll ihn erhellen! Selbst Gott da oben vergesse ihn!
5 Ja, der Tod soll ihn holen - diesen Tag! Ich wünschte, dass sich dunkle Wolken auf ihn legten und die Finsternis sein Licht erstickte!
6 Für immer soll sie dunkel bleiben - die Nacht meiner Geburt! Ausgelöscht sei sie aus dem Jahreskreis, nie wieder erscheine sie auf dem Kalender!
7 Stumm und öde soll sie sein, eine Nacht, in der sich keiner mehr freut!
8 Verfluchen sollen sie die Zauberer, die Tag und Nacht verwünschen können und die das Ungeheuer1 wecken!
9 Jene Nacht soll finster bleiben, ohne alle Sternenpracht! Vergeblich warte sie aufs Sonnenlicht, die Strahlen des Morgenrots sehe sie nicht!
10 Denn sie ließ zu, dass meine Mutter mich empfing, die Mühen des Lebens hat sie mir nicht erspart.
11 Warum bin ich nicht bei der Geburt gestorben, als ich aus dem Leib meiner Mutter kam?
12 Wozu hat sie mich auf den Knien gewiegt und an ihrer Brust gestillt?
13 Wenn ich tot wäre, dann läge ich jetzt ungestört, hätte Ruhe und würde schlafen
14 so wie die Könige und ihre Berater, die sich hier prachtvolle Paläste bauten - längst zu Ruinen zerfallen -,
15 und wie die Herrscher, die Gold und Silber besaßen und ihre Häuser damit füllten.
16 Warum wurde ich nicht wie eine Fehlgeburt verscharrt, wie Totgeborene, die nie das Tageslicht sahen?
17 Bei den Toten können die Verbrecher nicht mehr toben, und ihre Opfer haben endlich Ruhe.
18 Auch die Gefangenen lässt man dort in Frieden; sie hören nicht mehr das Geschrei des Aufsehers.
19 Ob groß oder klein: Dort sind alle gleich, und der Sklave ist seinen Herrn los.
20 Warum nur lässt Gott die Menschen leben? Sie mühen sich ab, sind verbittert und ohne Hoffnung.
21 Sie sehnen sich den Tod herbei - aber er kommt nicht! Sie suchen ihn mehr als verborgene Schätze,
22 und erst wenn sie endlich im Grab ruhen, empfinden sie die größte Freude!
23 Warum muss ich noch leben? Gott hat mich eingepfercht; ich sehe nur noch Dunkelheit!
24 Laut schreie ich auf vor Schmerzen, wenn ich essen will, und das Stöhnen bricht aus mir heraus.
25 Meine schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen, und wovor mir immer graute - das ist jetzt da!
26 Ohne Ruhe und Frieden lebe ich dahin, getrieben von endloser Qual!"

Hiob 4,1-21

Ansichten
Um Antwort und Rat bemüht (Hiob 4,1-21)

Nahezu übermächtig steht das Warum? in der Mitte. Es kann aber nicht so stehen bleiben. Elifas von Teman beginnt zu reden. Die Edomiter (Nachkommen Esaus), zu denen Elifas gehörte, waren wegen ihrer Weisheit bekannt. Mit Bedacht erinnert er an jene Zeit, in der Hiob selbst sich jenen zuwandte, die Hilfe brauchten. Doch wie verhält sich Hiob nun als Betroffener! Elifas rät Hiob, sich zu fragen, ob seine untadelige Frömmigkeit nicht doch Schwachstellen aufweise. Hiob müsse doch wissen, dass Unschuldige nicht umkommen. Aufgrund einer eigenen und beängstigenden Gotteserfahrung betont Elifas: Vor dem, der alles geschaffen hat, kann niemand bestehen. Ist es dann sinnvoll, sich mit dem Warum? zu belasten?

„Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!“ Psalm 46,11a

Bibellesung
Hiob 4,1-21

1 Elifas aus Teman versuchte als Erster, Hiob eine Antwort zu geben.
2 "Du bist zwar aufgebracht", sagte er, "doch will ich versuchen, dir etwas zu sagen; ich kann nicht länger schweigen!
3 Du selbst hast zahllose Menschen gelehrt, auf Gott zu vertrauen1. Kraftlose Hände hast du wieder gestärkt.
4 War jemand mutlos und ohne Halt, du hast ihn wieder aufgerichtet und ihm neuen Lebensmut gegeben.
5 Jetzt aber, wo du selbst an der Reihe bist, verlierst du die Fassung. Kaum bricht das Unglück über dich herein, bist du entsetzt!
6 Dabei hast du allen Grund zur Hoffnung! Dein Leben war stets tadellos, und Gott hast du von Herzen geehrt. Sei zuversichtlich!
7 Kannst du mir nur ein Beispiel nennen, wo ein gerechter Mensch schuldlos zugrunde ging?
8 Im Gegenteil - immer wieder habe ich gesehen: Wer Unrecht sät, wird Unglück ernten!
9 Denn Gott rafft Übeltäter im Zorn hinweg und richtet sie zugrunde.
10 Wenn sie auch wie die Löwen brüllen, bringt Gott sie doch zum Schweigen und bricht ihnen die Zähne aus.
11 Sie verenden wie Löwen, die keine Beute mehr finden, und ihre Kinder werden in alle Winde zerstreut.
12 Hiob, heimlich habe ich eine Botschaft bekommen, leise wurde sie mir zugeflüstert!
13 Es geschah in jener Zeit der Nacht, wenn man sich unruhig im Traum hin und her wälzt, wenn tiefer Schlaf die Menschen überfällt:
14 Da packten mich Grauen und Entsetzen; ich zitterte am ganzen Körper.
15 Ein Windhauch wehte dicht an mir vorüber - die Haare standen mir zu Berge!
16 Dann sah ich jemanden neben mir, aber ich konnte ihn nicht erkennen, nur ein Schatten war zu sehen; er flüsterte:
17 'Kann denn ein Mensch gerechter sein als Gott, vollkommener als sein Schöpfer?'
18 Selbst seinen Dienern im Himmel vertraut Gott nicht, und an seinen Engeln findet er Fehler.
19 Wie viel weniger vertraut er dann den Menschen! Sie hausen in Lehmhütten, die im Staub auf der Erde stehen, und werden wie eine Motte zertreten.
20 Mitten aus dem Leben werden sie gerissen, unwiederbringlich, und keiner beachtet es!
21 Ja, Gott bricht ihre Zelte ab; sie sterben plötzlich und sind kein bisschen weise geworden!"

Hiob 5,1-17

Ansichten

Bibellesung
Hiob 5,1-17

Unterwirf dich Gott!
1 "Klag nur, Hiob! Aber meinst du, dich hört jemand? An welchen Engel willst du dich denn wenden?
2 Wer sich Gott in blinder Wut entgegenstellt und in seiner Dummheit aufbegehrt, der bringt sich um!
3 Ich sah solche Leute in Glück und Frieden leben, dann aber verfluchte ich ihr Hab und Gut.
4 Ohne jede Hilfe standen ihre Kinder da; niemand verteidigte sie, als sie vor Gericht verurteilt wurden.
5 Über die Ernte dieser Narren machten sich die Hungrigen her - selbst aus den Dornenhecken rissen sie die Halme heraus und stürzten sich gierig auf all ihren Reichtum.
6 Unheil wächst nicht auf dem Acker, und Mühsal schießt nicht aus der Erde empor.
7 Nein, von Geburt an gehört zum Menschsein die Mühe, so wie zum Feuer die Funken gehören.
8 Ich an deiner Stelle würde mich an Gott wenden und ihm meinen Rechtsfall vortragen.
9 Was Gott tut, ist groß und gewaltig, niemand kann es begreifen; seine Wunder sind unzählbar.
10 Er lässt Regen fallen, und die Felder werden reich getränkt.
11 Wer klein und unbedeutend ist, den macht er groß; die Trauernden können sich wieder freuen, weil er sie rettet.
12 Die Pläne verschlagener Menschen vereitelt er, so dass ihnen gar nichts gelingt.
13 Er fängt die Klugen mit ihrer eigenen Klugheit, und ihre Machenschaften durchkreuzt er.
14 Am helllichten Tage tappen sie umher, als wäre es stockdunkle Nacht.
15 Gott hilft dem Armen aus der Gewalt der Mächtigen und rettet ihn vor ihren mörderischen Plänen.
16 Er gibt den Armen wieder Hoffnung und bringt die Ungerechtigkeit zum Schweigen.
17 Glücklich ist der Mensch, den Gott zurechtweist! Der Allmächtige will dich erziehen! Sträube dich nicht!

Hiob 6,1-30

Ansichten
Wahr im Herzen trotz Leid und Schmerzen (Hiob 6,1-30)

„Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide!“ Selten wird dieser Satz ernsthaft gebraucht. Abgewandelt und tiefernst gemeint lässt sich sagen: Nur wer die Wahrheit kennt und fest im Herzen hält, weiß auch vom Leiden. Wenn körperliche Schmerzen die Gedanken und Worte so bestimmen, dass der Leidende sich das Lebensende wünscht, wird es schwer, das „Dennoch“ zu sagen (Ps. 73). Hiob wüsste sich getröstet, wenn er Gottes Wort bis zum Sterben unbeirrt festhalten könnte. Doch er hat Sorge, der Belastung nicht standzuhalten. Selbst seine Freunde geben ihm nicht recht, obwohl sie Hiob nicht widerlegen können (V.25). Hiob leidet unter dieser Fehleinschätzung. Er ringt darum, dass sich die Freunde seiner Sicht zuwenden. Wörtlich: „Kehrt euch doch her, dass kein Unrecht geschehe!“ (V.29). Warum kann er das sagen? Weil er wahr im Herzen ist und nicht lügen kann.

Denn wir vermögen nichts wider die Wahrheit, sondern nur etwas für die Wahrheit.“ 2. Korinther 13,8

Bibellesung
Hiob 6,1-30

1 Da antwortete Hiob:
2 "Ach könnte mein Schmerz doch gewogen werden! Legte man doch mein Elend auf die Waage!
3 Es wiegt schwerer als der Sand am Meer, und deshalb sind meine Worte so unbeherrscht.
4 Der Allmächtige hat mich mit seinen Pfeilen durchbohrt, tief dringt ihr Gift in mich ein1. Gott hat mich mit seinen Schrecken eingekesselt.
5 Kein Wildesel schreit, wenn er Gras hat; an der vollen Futterkrippe brüllt kein Stier.
6 Doch welcher Mensch mag ungesalzene Speise, wer schlürft schon gerne rohes Eiweiß?
7 Ich sträube mich, es anzurühren, denn solche Nahrung macht mich krank!
8 Warum schlägt Gott mir meine Bitte ab und gibt mir nicht, was ich so sehnlich wünsche?
9 Ich wünsche mir nur eins: dass er mich zermalmt und mir das Lebenslicht ausbläst!
10 Denn einen Trost hätte ich auch dann noch, Grund zum Jubeln trotz schrecklicher Schmerzen: Was der heilige Gott geboten hat, daran habe ich mich immer gehalten!
11 Aber meine Kraft reicht nicht aus, um noch länger zu hoffen! Auf welches gute Ende soll ich geduldig warten?
12 Bin ich denn hart und unverwundbar wie ein Stein? Ist mein Körper kraftvoll, wie aus Erz gegossen?
13 Ich bin völlig hilflos und weiß nicht mehr aus noch ein!
14 Wer so verzweifelt ist wie ich, braucht Freunde, die fest zu ihm halten, selbst wenn er Gott nicht mehr glaubt.
15 Ihr aber enttäuscht mich wie die Flüsse in der Wüste, deren Bett vertrocknet, sobald kein Regen mehr fällt.
16 Im Frühjahr treten sie über die Ufer, trübe vom Schmelzwasser, in dem Eisschollen treiben.
17 Aber wenn es heiß wird, versiegen sie und versickern im Boden.
18 Karawanen müssen vom Weg abweichen, weil sie dort kein Wasser finden2. Sie steigen hinauf in die Wüste und gehen elend zugrunde.
19 Die Karawanen von Tema spähen nach den Wasserstellen, die Händler von Saba sind auf sie angewiesen,
20 doch ihre Hoffnung wird bitter enttäuscht: Sie kommen dorthin - das Flussbett ist leer!
21 Und ihr? Ihr seid genau wie diese Flüsse: trostlos und leer. Ihr helft mir nicht! Ihr seht mein furchtbares Schicksal und weicht entsetzt zurück!
22 Wieso denn? Habe ich euch je gesagt: 'Schenkt mir etwas! Zahlt ein Bestechungsgeld für mich aus euren Taschen,
23 und rettet mich vor dem Erpresser, aus seinen Klauen kauft mich frei!' ?
24 Gebt mir eine klare Antwort, und weist mir nach, wo ich im Irrtum bin, dann will ich gerne schweigen!
25 Nur wer die Wahrheit sagt, überzeugt mich - eure Vorwürfe beweisen nichts!
26 Wollt ihr meine Worte tadeln, weil sie so verzweifelt klingen? Was ich sage, verhallt ungehört im Wind!
27 Ihr würdet selbst ein Waisenkind verkaufen und euren besten Freund verhökern!
28 Bitte, seht mich an! So wahr ich hier sitze: Ich sage euch die volle Wahrheit!
29 Ihr tut mir Unrecht! Hört endlich auf damit, denn immer noch bin ich im Recht!
30 Rede ich vermessen? Nie und nimmer! Ich kann doch Recht und Unrecht unterscheiden!"

Hiob 8,1-22

Ansichten
Gott rechnet anders (Hiob 8,1-22)

Bildad hat ein Patentrezept: Wenn es einem Menschen so schlecht geht, muss das mit seiner persönlichen Schuld zusammenhängen. Jeder bekommt von Gott, was ihm zusteht. Jede Strafe ist Folge der Sünde. Also ist klar: Hiobs Söhne haben ihr Unglück (Hiob 1,18.19) selbst verschuldet. Und nur, wenn sich Hiob schleunigst zu Gott wendet, kann er weiteres Unheil abwenden. – Doch hinter einem schlimmen Schicksal muss keineswegs immer eigene Schuld stehen. Jesu Antwort an seine Jünger auf eine solche Vermutung (Joh. 9,2.3) verbietet uns, so zu rechnen. Wer den Zeigefinger auf die Sünde anderer Menschen richtet, wird am Ende selbst von Gott gerichtet (Hiob 42,7). Wir müssen das Zurechnen von Schuld schon Gott überlassen. Er rechnet anders: Um Christi willen rechnet er uns unsere Sünden nicht an (2. Kor. 5,19).

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr.“ Jesaja 55,8

Bibellesung
Hiob 8,1-22

1 Da entgegnete Bildad aus Schuach:
2 "Wie lange willst du noch so weiterreden und lässt den unbeherrschten Worten freien Lauf?
3 Verdreht Gott, der Allmächtige, etwa das Recht? Meinst du, dass er sein Urteil jemals widerruft?
4 Deine Kinder müssen gegen ihn gesündigt haben, darum hat er sie verstoßen und bestraft; sie haben bekommen, was sie verdienten.
5 Du aber solltest unermüdlich nach Gott suchen und zum Allmächtigen um Gnade flehen.
6 Wenn du aufrichtig und ehrlich bist, dann wird er sich noch heute um dich kümmern und Haus und Hof dir wiedergeben, wie du es verdienst.
7 Was du früher besessen hast, wird dir gering erscheinen verglichen mit dem, was Gott dir schenken wird!
8 Schau doch nur auf die früheren Generationen, und achte auf die Weisheit unserer Väter!
9 Denn unser Leben währt nur kurze Zeit. Wir wissen gar nichts; wie ein Schatten huschen unsere Tage vorüber.
10 Aber die Alten können dich aus ihrer reichen Erfahrung belehren. Sie sagten:
11 'Die Papyrusstaude steht nur dort, wo Sumpf ist, und ohne Wasser wächst kein Schilf.
12 Noch ehe es emporwächst, ehe man es schneiden kann, ist es schon verdorrt!'
13 Genauso geht es dem, der Gott vergisst; wer ihm die Treue bricht, hat keine Hoffnung mehr.
14 Worauf er sich stützte, das zerbricht, und seine Sicherheit zerreißt wie ein Spinnennetz.
15 In seinem Haus fühlt er sich sicher, aber es bleibt nicht bestehen; er klammert sich daran, findet aber keinen Halt.
16 Zuerst wächst er auf wie eine Pflanze: Voller Saft steht sie im Sonnenschein, und ihre Triebe breiten sich im Garten aus.
17 Die Wurzeln verzweigen sich über die Steine und finden einen Weg durch jede Ritze.
18 Doch ist die Pflanze mitsamt den Wurzeln einmal ausgerissen, weiß keiner mehr, wo sie gestanden hat.
19 Wer Gott vergisst, dem geht es ebenso. Von seinem Glück bleibt nichts mehr übrig, und andere nehmen seinen Platz ein.
20 Vergiss es nicht: Gott lässt einen Unschuldigen niemals fallen, und einen Bösen unterstützt er nicht!
21 Er wird dich wieder lachen lassen und dir Grund zum Jubel geben,
22 aber deine Feinde werden mit Schimpf und Schande überhäuft, und ihr Haus wird vom Erdboden verschwinden!"

Hiob 9,1-35

Ansichten
Gott hat geantwortet (Hiob 9,1-35)

Woran mag es liegen, dass wir nur so schwer erkennen, dass der allmächtige Schöpfer von uns kleinen Geschöpfen nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann? Dass Hiob leiden muss, obwohl er unwidersprochen seine Unschuld beteuert, will uns auch nicht einleuchten. Wir können allenfalls noch begreifen, dass es mit unserer Sünde zusammenhängt, weshalb in weiten Teilen der Welt Gottlose herrschen und das Recht mit Füßen getreten wird (V.24). Doch was ist das für ein Gott, der einen Unschuldigen (V.21) unsäglich leiden lässt und nicht freispricht (V.28)? Es ist der Gott, der auf diese himmelschreiende Klage den Mittler gesandt hat, den Hiob herbeisehnte (V.33). Jesus Christus ist gekommen und hat Hiobs Fragen mit seinem Leiden und Sterben für Hiob und uns beantwortet.

Es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus.“ 1. Timotheus 2,5

Bibellesung
Hiob 9,1-35

1 Hiob erwiderte:
2 "Das alles weiß ich doch schon längst! Nur eins verrate mir: Wie kann ein Mensch vor Gott sein Recht bekommen?
3 Wenn er dich vor Gericht zieht und Anklage erhebt, weißt du auf tausend Fragen keine Antwort.
4 Gott ist weise, stark und mächtig! Wer hat sich je erfolgreich gegen ihn gestellt?
5 Ohne Vorwarnung verrückt er Berge, und wenn er zornig wird, zerstört er sie.
6 Er lässt die Erde zittern und beben, so dass ihre Säulen schwanken.
7 Er spricht nur ein Wort - schon verfinstert sich die Sonne, die Sterne dürfen nicht mehr leuchten.
8 Er allein hat den Himmel ausgebreitet, ist über die Wogen der Meere geschritten.
9 Den großen Wagen hat er geschaffen, den Orion, das Siebengestirn und auch die Sternbilder des Südens.
10 Er vollbringt gewaltige Taten; unzählbar sind seine Wunder, kein Mensch kann sie begreifen!
11 Unbemerkt zieht er an mir vorüber; er geht vorbei, er streift mich, und ich nehm es gar nicht wahr!
12 Niemand kann ihn hindern, wenn er einen Menschen aus dem Leben reißt. Wer wagt es, ihn zu fragen: 'Halt! Was tust du da?' ?
13 Gott lässt seinem Zorn freien Lauf; er unterwarf sich seine Feinde, die dem Meeresungeheuer halfen, als es sich ihm widersetzte.
14 Und ich? Was kann ich denn erwidern, mit welchen Worten ihm entgegentreten?
15 Auch wenn ich schuldlos wäre, könnte ich ihm nichts entgegnen, nein, ich müsste ihn als meinen Richter noch um Gnade anflehen!
16 Selbst wenn ich darauf drängte, dass er mir endlich eine Antwort gibt, würde er mich kaum beachten.
17 Im Gegenteil: Er würde im Orkan mich packen und grundlos meine Qual vermehren.
18 Er gönnt mir keine Atempause und sättigt mich mit Bitterkeit.
19 Wollte ich meine Kraft mit ihm messen - er ist der Stärkere! Aber es geht ums Recht! Warum lädt er mich nicht vor, damit ich mich verteidigen kann?
20 Selbst wenn ich Recht hätte, würde Gott mich zum Geständnis zwingen; ich müsste mich vor ihm für schuldig erklären, auch wenn ich schuldlos wäre.
21 Ja, ich bin unschuldig! Aber es ist mir völlig gleichgültig, so sehr hasse ich mein Leben!
22 Es ist alles einerlei; deshalb sage ich: Egal, ob du gottlos bist oder fromm - er bringt dich doch um!
23 Und wenn sein Schlag plötzlich Unschuldige trifft, dann spottet er noch über ihren Schmerz!
24 Fällt ein Land Tyrannen in die Hände und werden alle Richter blind für das Recht, so hat Gott das getan! Wenn nicht er - wer sonst?
25 Meine Jahre sind vorbeigeeilt, schneller als ein Läufer, verschwunden sind sie ohne eine Spur von Glück.
26 Sie gleiten dahin, geschwind wie ein Boot, fliegen rascher als ein Adler, der sich auf die Beute stürzt.
27 Wenn ich mir sage: Jetzt will ich mein Klagen vergessen, will glücklich sein und mich freuen,
28 dann packt mich doch die Angst, dass meine Schmerzen wiederkommen. O Gott, ich weiß es: Du hältst mich für schuldig!
29 Ich bin ja schon verurteilt - wozu soll ich mich noch abmühen?
30 Wenn ich meine Hände mit Schneewasser wüsche oder mit Lauge reinigte, als Zeichen meiner Unschuld,
31 dann würdest du mich doch in eine Jauchegrube tauchen, dass sich selbst meine Kleider vor mir ekelten!
32 Wärst du ein Mensch wie ich, dann könnte ich dir antworten! Wir würden beide vor Gericht gehen, damit der Streit entschieden wird.
33 Aber es gibt keinen, der zwischen dir und mir entscheidet und für Recht sorgt.
34 Hör auf, mich zu bestrafen! Halte deine Schrecken von mir fern!
35 Dann kann ich endlich frei und furchtlos reden, denn ich bin mir keiner Schuld bewusst!"

Hiob 11,1-20

Ansichten
Leichtfertige Seelsorge

Leicht hat Zofar seine Antwort fertig. Seine Drohungen und fromm klingenden Sätze sind allerdings auch ein leichtfertiger Trost. Zwar ist der Rat grundsätzlich richtig: Bring dein Leben in Ordnung; wende dich Gott zu (V.13+14)! Doch eine Seelsorge, die dem leidenden Freund nur Richtigkeiten sagt, geht leicht an der Wahrheit vorbei. Schon die Behauptung, dass der Lohn solcher Wende nicht ausbleiben kann, ist falsch (Hiob 42,7). Gott lässt sich in seinem Verhalten nicht durch unser Tun bestimmen. Was wäre das auch für eine Hinwendung zu Gott, die nur den Zweck hätte, einen Lohn dafür zu bekommen! Gott möchte, dass wir ihm „gratis“ (Hiob 1,9) dienen. – Wie trösten wir einen Menschen, den schweres Leid getroffen hat?

Ich sage euch aber, dass die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben.“ Matthäus 12,36

Bibellesung
Hiob 11,1-20

1 Darauf erwiderte Zofar aus Naama:
2 "Soll diese Flut von Worten ohne Antwort bleiben? Darf denn ein Schwätzer Recht behalten?
3 Meinst du etwa, dein leeres Gerede verschlägt uns die Sprache? Willst du weiter spotten, ohne dass dich jemand zurechtweist?
4 Du sagst zu Gott: 'Meine Urteile sind völlig richtig! In deinen Augen bin ich rein!'
5 Hiob, ich wünsche nichts sehnlicher, als dass Gott mit dir redet
6 und dir zeigt, wie unendlich tief seine Weisheit ist! Sie hat so viele Seiten! Kein Mensch kann sie begreifen! Glaub mir: Gott sieht über viele deiner Sünden hinweg!
7 Kannst du die Geheimnisse Gottes erforschen und die Vollkommenheit des Allmächtigen erfassen?
8 Der Himmel oben setzt Gott keine Grenze - dir aber allemal! Gott kennt die Welt der Toten unten in der Tiefe - du aber nicht!
9 Seine Größe überragt die Erde und reicht weiter als das Meer!
10 Wenn er kommt, dich gefangen nimmt und dann Gericht hält - wer kann ihn daran hindern?
11 Nichtsnutzige Menschen kennt er ganz genau; er sieht ihr böses Treiben, auch wenn sie ihn nicht beachten.
12 Ein Hohlkopf kommt nicht zur Vernunft, genauso wenig wie ein Wildesel als Mensch geboren wird.
13 Hiob, fass einen klaren Entschluss: Streck deine Hände empor und bete zu Gott!
14 Mach deinen Fehler wieder gut, und lass in deinen Zelten kein neues Unrecht geschehen!
15 Dann kannst du jedem wieder offen ins Gesicht sehen, unerschütterlich und furchtlos stehst du im Leben deinen Mann!
16 Bald schon wird all dein Leid vergessen sein wie Wasser, das versickert ist.
17 Dann kann dein Leben noch einmal beginnen und leuchten wie die Mittagssonne, auch die dunkelsten Stunden werden strahlen wie der lichte Morgen.
18 Dann hast du endlich wieder Hoffnung und kannst zuversichtlich sein. Abends siehst du noch einmal nach dem Rechten und legst dich dann in Frieden schlafen.
19 Kein Feind schreckt dich auf - im Gegenteil: Viele werden sich um deine Gunst bemühen.
20 Aber alle, die Gott missachten, schauen sich vergeblich nach Hilfe um; sie haben keine Zuflucht mehr! Ihnen bleibt nur noch der letzte Atemzug."

Hiob 12,1-25

Ansichten
Gottes Weisheit im Gericht (Hiob 12,1-25)

Erbittert weist Hiob den falschen Trost der Freunde zurück. Ihr ausgeklügeltes System kennt nicht das Leiden eines Gerechten. Hiob dagegen musste an sich selbst etwas von der schweren Last spüren, die Gott schließlich seinem Sohn Jesus Christus aufgebürdet hat. Damit muss es zusammenhängen, dass Hiob diesen uns schier unbegreiflichen Gedanken ausspricht: Gottes Weisheit wird nicht nur an seiner Schöpfung erkannt; sie zeigt sich besonders eindrücklich in seinem Handeln in der Geschichte der Völker und im Leben einzelner Menschen, und zwar gerade auch dann, wenn er richtend eingreift. Das ist schließlich tröstlich. Denn es bedeutet, dass Gott uns selbst in allem Unglück dieser Welt in seiner Weisheit zugewandt bleibt.

Jede Züchtigung aber, wenn sie da ist, scheint uns nicht Freude, sondern Leid zu sein; danach aber bringt sie als Frucht denen, die dadurch geübt sind, Frieden und Gerechtigkeit.“ Hebräer 12,11

Bibellesung
Hiob 12,1-25

1 Darauf entgegnete Hiob:
2 "Jawohl, ihr habt die Weisheit gepachtet, und mit euch stirbt sie eines Tages aus!
3 Auch ich habe Verstand, genauso wie ihr; ich stehe euch in nichts nach. Was ihr sagt, weiß doch jeder!
4 Aber jetzt lachen sogar meine Freunde mich aus, obwohl ich unschuldig bin und keiner mir etwas Schlechtes nachsagen kann. Früher hat Gott meine Gebete erhört. Er gab mir Antwort, wenn ich zu ihm rief.
5 Alle, die in Sicherheit leben, behaupten: 'Wen das Unglück trifft, den darf man verachten; was fallen will, das soll man ruhig noch stoßen!'
6 Die Gewalttätigen bleiben unbehelligt. Sie fordern Gott heraus und leben doch sicher und ungestört. Das Schwert in ihrer Faust - das ist ihr Gott!
7 Von den Tieren draußen kannst du vieles lernen, schau dir doch die Vögel an!
8 Frag nur die Erde und die Fische im Meer; hör, was sie dir sagen!
9 Wer von diesen allen wüsste nicht, dass der Herr sie mit seiner Hand geschaffen hat?
10 Alle Lebewesen hält er in der Hand, den Menschen gibt er ihren Atem.
11 Soll nicht mein Ohr eure Worte prüfen, so wie mein Gaumen das Essen kostet?
12 Man sagt, Weisheit sei bei den Alten zu finden und ein langes Leben bringe Erfahrung.
13 Doch Gott allein besitzt Weisheit und Kraft, nie wird er ratlos; er weiß, was er tun soll.
14 Was er abreißt, wird nie wieder aufgebaut, und wenn er einen Menschen einschließt, kann keiner ihn befreien.
15 Hält er den Regen zurück, dann wird das Land von Dürre geplagt; lässt er die Wasserfluten los, dann wühlen sie es um.
16 Er allein besitzt Macht! Was er sich vornimmt, das gelingt. Gott hat beide in der Hand: den, der sich irrt, und den, der andere irreführt.
17 Königliche Ratgeber nimmt er gefangen; erfahrene Richter macht er zu Narren.
18 Gefangene eines Königs befreit er, doch den König selbst legt er in Fesseln.
19 Er führt die Priester weg mit Schimpf und Schande und vertreibt alteingesessene Familien.
20 Berühmten Rednern entzieht er das Wort, den Alten nimmt er die Urteilskraft.
21 Fürsten gibt er der Verachtung preis, und die Mächtigen macht er schwach.
22 Die Dunkelheit überflutet er mit Licht, ja, die tiefsten Geheimnisse deckt er auf.
23 Er lässt Völker mächtig werden und richtet sie wieder zugrunde; er macht ein Volk groß und vertreibt es wieder.
24 Ihren Königen nimmt er den Verstand und führt sie hoffnungslos in die Irre.
25 Im Dunkeln tappen sie umher und torkeln wie Betrunkene."

Hiob 14,1-22

Ansichten
Eintagsfliegen

Nach dem Tod ist es aus mit uns. Selbst ein bereits gefällter Baum hat mehr Hoffnung (V.7-9). Warum nur verlangt denn der ewige Gott von uns „Eintagsfliegen“ überhaupt noch Rechenschaft? – Zeigt aber nicht gerade dieses Augenmerk Gottes (V.3), welch großen Wert er unserem kurzen Dasein geben will? Gott hat darum den Wunsch Hiobs (V.6) nicht erfüllt. Im Gegenteil: In Jesus Christus ist er uns noch näher gekommen und hat uns eine Hoffnung gegeben, die Hiob nur ahnen konnte (V.13-17) und für sich selbst erst am tiefsten Punkt seines Leidensweges in Anspruch genommen hat (Hiob 19,25-27). Seit wir wissen, dass Jesus durch seinen Tod die Macht der Sünde gebrochen hat, die uns den endgültigen Tod eingetragen hat, kommt nun ewiges Leben in unser vergängliches Dasein.

Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?“ Psalm 8,5

Bibellesung
Hiob 14,1-22

1 "Wie vergänglich ist der Mensch! Wie kurz sind seine Jahre! Wie mühsam ist sein Leben!
2 Er blüht auf wie eine Blume - und verwelkt; er verschwindet wie ein Schatten - und fort ist er!
3 Und doch verlierst du ihn nicht aus den Augen und stellst ihn vor dein Gericht!
4 Von Geburt an sind wir mit Schuld beladen und bringen nichts Gutes zustande - keiner von uns!
5 Die Jahre eines jeden Menschen sind gezählt; die Dauer seines Lebens hast du festgelegt. Du hast ihm eine Grenze gesetzt, die er nicht überschreiten kann.
6 So schau jetzt weg von ihm, damit er Ruhe hat und seines Lebens noch froh wird, wie ein Arbeiter am Feierabend!
7 Für einen Baum gibt es immer noch Hoffnung, selbst wenn man ihn gefällt hat; aus dem Stumpf wachsen wieder frische Triebe nach.
8 Auch wenn seine Wurzeln im Erdreich absterben und der Stumpf langsam im Boden vertrocknet,
9 erwacht er doch zu neuem Leben, sobald er Wasser bekommt. Neue Triebe schießen empor wie bei einer jungen Pflanze.
10 Aber wenn ein Mensch gestorben ist, dann ist er dahin. Er hat sein Leben ausgehaucht. Wo ist er nun?
11 Wie Wasser, das aus einem See ausläuft, und wie ein Flussbett, das vertrocknet,
12 so ist der Mensch, wenn er stirbt: Er legt sich nieder und steht nie wieder auf. Ja, die Toten werden niemals erwachen, solange der Himmel besteht! Nie wieder werden sie aus ihrem Schlaf erweckt!
13 O Gott, versteck mich doch bei den Toten! Schließ mich für eine Weile dort ein, bis dein Zorn verflogen ist! Aber setz dir eine Frist und denk dann wieder an mich! -
14 Meinst du, ein Mensch wird wieder lebendig, wenn er gestorben ist? - Dort bei den Toten würde ich warten und die Tage zählen wie ein Zwangsarbeiter, bis er entlassen wird.
15 Aber dann wirst du mich rufen, und ich werde kommen. Du wirst dich nach mir sehnen, weil du selbst mich geschaffen hast.
16 Meine Wege siehst du auch dann noch, aber meine Sünden hältst du mir nicht mehr vor.
17 Was immer ich begangen habe, ist dann vergeben und vergessen, meine Schuld löschst du für immer aus.
18 Berge stürzen und zerfallen, Felsen rutschen zu Tal.
19 Wasser zermahlt die Steine zu Sand, und Sturzbäche reißen den Erdboden fort. Genauso zerstörst du jede Hoffnung des Menschen.
20 Du überwältigst ihn, zwingst ihn zu Boden; mit entstelltem Gesicht liegt er da und stirbt. Du schickst ihn fort - er kommt nie wieder.
21 Ob seine Kinder einst berühmt sind oder ob man sie verachtet, er weiß nichts davon. Ihre Zukunft bleibt ihm völlig verborgen.
22 Er fühlt nur die eigenen Schmerzen und trauert nur über sich selbst."

Hiob 19,1-29

Ansichten
Jesus lebt (Hiob 19,1-29)

Hiob wird von Gottes Hand so schwer getroffen, dass sich alle voll Ekel von ihm abwenden (V. 13-20). Durch ihn, der an der Todesgrenze seinen Schmerz herausschreit, lässt Gott uns an dieser Stelle, am tiefsten Punkt des Leidens, die frohe Botschaft von der Auferstehung sagen: Wir haben einen Anwalt, einen Fürsprecher, wenn Satan (Hiob 1 und 2) oder Menschen (V. 22.28) uns verklagen, wenn Sünde und Schuld unser Gewissen drücken. Er, Jesus Christus, der von seinen Getreuen im Stich gelassen (Matth. 26,56) in der äußersten Verlassenheit aufschrie und an unserer Sünde starb (Matth. 27,46.50), ist uns durch den Tod vorausgegangen. Weil er nun aber lebt, wird jeder, der wie Hiob alle Hoffnung auf diesen Erlöser setzt, Gott schauen.

Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.“ Römer 8,34

Bibellesung
Hiob 19,1-29

1 Da fragte Hiob:
2 "Wie lange wollt ihr mich noch quälen und mich mit euren Worten verletzen?
3 Wie oft habt ihr mich schon beleidigt! Schämt ihr euch nicht, mir so grausam zuzusetzen?
4 Denn wäre ich wirklich vom richtigen Weg abgeirrt, müsste ich die Folgen selbst tragen!
5 Wollt ihr euch etwa über mich erheben und mir eine Schuld nachweisen?
6 Merkt ihr denn nicht, dass Gott mir unrecht tut und mich in seinem Netz gefangen hat?
7 Ich schreie: 'Hilfe!', aber niemand hört mich. Ich rufe aus Leibeskräften - aber keiner verschafft mir Recht.
8 Gott hat mir den Weg versperrt, ich komme nicht mehr weiter. Meinen Pfad hat er in tiefe Dunkelheit gehüllt.
9 Ich war angesehen und geachtet, aber er hat meine Krone weggerissen.
10 Zerschmettert hat er mich, bald muss ich gehen; meine Hoffnung riss er aus wie einen Baum.
11 Ja, Gottes Zorn ist gegen mich entbrannt, er behandelt mich als seinen Feind.
12 Vereint sind seine Truppen gegen mich herangerückt, sie haben einen Weg zu mir gebahnt und sich rings um mein Zelt aufgestellt.
13 Meine Brüder hat Gott mir entfremdet; die Verwandten wollen nichts mehr von mir wissen.
14 Meine Nachbarn haben sich zurückgezogen, alte Bekannte kennen mich nicht mehr.
15 Alle, die in meinem Hause Zuflucht fanden, betrachten mich als einen Fremden. Meine eigenen Mägde kennen mich nicht mehr!
16 Als ich einen Knecht rufen wollte, gab er keine Antwort. Anflehen musste ich ihn!
17 Meine Frau erträgt meinen stinkenden Atem nicht mehr; meine eigenen Brüder ekeln sich vor mir!
18 Sogar Kinder lachen und spotten über mich; sobald sie mich sehen, fangen sie an zu tuscheln!
19 Meine engsten Freunde verabscheuen mich jetzt; sie, die mir am nächsten standen, lehnen mich ab!
20 Und ich? Ich bin nur noch Haut und Knochen, bin mit knapper Not dem Tod entkommen.
21 Barmherzigkeit! Habt Mitleid, meine Freunde! Gottes Hand hat mich geschlagen!
22 Warum verfolgt ihr mich, wie Gott es tut? Habt ihr mich nicht schon genug gequält?
23-24 Ach, würden doch meine Worte in einer Inschrift festgehalten, in Stein gemeißelt und mit Blei noch ausgegossen, lesbar für alle Zeiten!
25 Doch eines weiß ich: Mein Erlöser lebt; auf dieser todgeweihten Erde spricht er das letzte Wort!
26 Auch wenn meine Haut in Fetzen an mir hängt und mein Leib zerfressen ist, werde ich doch Gott sehen!
27 Ja, ihn werde ich anschauen; mit eigenen Augen werde ich ihn sehen, aber nicht als Fremden. Danach sehne ich mich von ganzem Herzen!
28 Aber wenn ihr sagt: 'Wir wollen Hiob belauern und etwas finden, das seine Schuld beweist!',
29 dann fürchtet euch vor dem Schwert, vor dem Richterschwert Gottes, der eure Schuld im Zorn bestrafen wird! Dann werdet ihr erkennen, dass es einen Richter gibt!"

Hiob 31,1-40

Ansichten
Der Vollkommene ... oder nicht? (Hiob 31,1-40)

Gibt es einen vollkommenen Menschen? Ja, den gibt es. Hiob ist es. Neben Noah und Daniel gilt gerade Hiob als ein frommer Mensch, als ein Gerechter, als ein vollkommener Mensch. Stimmt das? Sieht man sich Hiobs „Lebensbeichte“ an, scheint es nicht der Fall zu sein. Hiob schildert hier sehr persönlich seine Glaubenskämpfe auf dem Weg des Leidens. In sehr drastischer Weise. Seine dadurch gewonnenen Erfahrungen im Glauben. Selbst dann, wenn er sie in Fragen kleidet: „Habe ich je ...?“ Antwort: „Ich habe!“ Oder doch nicht? Wenn es denn so wäre, spräche aus Hiobs Worten große Selbstsicherheit: Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen! Das muss Gott doch einsehen! Es klingt der Versuch einer Selbstrechtfertigung mit und drängt zur Entscheidung.
O, hätte ich einen, der mich anhört – hier meine Unterschrift! Der Allmächtige antworte mir!“ Hiob 31,35a

Bibellesung
Hiob 31,1-40

1 "Mit meinen Augen habe ich einen Bund geschlossen, niemals ein Mädchen lüstern anzusehen.
2 Was hätte ich von Gott sonst zu erwarten, von ihm, der in der Höhe thront? Welches Urteil hätte der Allmächtige dann über mich verhängt?
3 Den Bösen trifft das Unheil, und den Übeltätern schickt Gott Unglück.
4 Er sieht doch all mein Tun, er kennt jeden Schritt.
5 War ich jemals verlogen und falsch, habe ich andere betrogen?
6 Gott soll mich wiegen auf seiner gerechten Waage - und er wird feststellen, dass ich unschuldig bin!
7 Wenn ich von seinem Wege abgewichen bin, wenn mein Herz alles begehrte, was meine Augen sahen, oder wenn an meinen Händen irgendein Unrecht klebt,
8 dann soll ein anderer verzehren, was ich gesät und geerntet habe, ausreißen soll man das Getreide auf meinem Feld!
9 Wenn ich mich von der Frau meines Nachbarn betören ließ und an ihrer Tür auf sie gewartet habe,
10 dann soll meine Frau für einen anderen kochen, und andere sollen sich über sie hermachen!
11 Denn dann hätte ich eine Schandtat begangen, ein Verbrechen, das vor die Richter gehört.
12 Ein Feuer ist der Ehebruch! Es brennt bis in den Tod. Es würde all mein Hab und Gut bis auf den Grund zerstören.
13 Wenn ich das Recht meines Knechtes oder meiner Magd missachtet hätte, als sie gegen mich klagten,
14 was wollte ich tun, wenn Gott Gericht hält, was könnte ich ihm erwidern, wenn er mich zur Rechenschaft zieht?
15 Denn er, der mich im Mutterleib gebildet hat, er hat auch meinen Knecht geschaffen. Wir beide verdanken unser Leben ihm!
16 Niemals habe ich die Bitte eines Armen abgeschlagen und keine Witwe weggeschickt, die verzweifelt zu mir kam.
17 Ich habe mein Brot nicht für mich selbst behalten, nein - mit den Waisenkindern habe ich es geteilt.
18 Von meiner Jugend an habe ich sie großgezogen wie ein Vater, für die Witwen habe ich mein Leben lang gesorgt.
19 Habe ich ruhig zugesehen, wie einer vor Kälte umkam? Ließ ich den Armen ohne warme Kleider weitergehen?
20 Nein, die Wolle meiner Lämmer wärmte ihn, er dankte mir von ganzem Herzen.
21 Wenn ich je ein Waisenkind bedrohte, wohl wissend, dass ich vor Gericht die größere Macht besaß,
22 dann soll mir der Arm von der Schulter fallen, abbrechen soll er, gerade am Gelenk!
23 Doch ich habe Gottes Strafgericht immer gefürchtet. Die Furcht vor seiner Hoheit hat mich vom Unrecht fern gehalten.
24 Ich habe nicht auf Gold vertraut; zum reinen Gold habe ich niemals gesagt: 'Du sicherst mir das Leben!'
25 Ich habe mir auch nichts auf meinen großen Reichtum eingebildet, den ich mit eigener Hand erworben habe.
26-27 Und hätte ich mich heimlich dazu verführen lassen, die strahlende Sonne zu verehren oder den Mond auf seiner silbernen Bahn -
28 auch das wäre ein Vergehen, das vor die Richter gehört, denn damit hätte ich Gott verleugnet, der hoch über allen Gestirnen thront.
29 Habe ich hämisch gegrinst, wenn meinen Feind das Unglück traf, habe ich über seinen Untergang schadenfroh gelacht?
30 Nein, ich habe mit keinem Wort gesündigt, ich habe ihn nicht verflucht, ihm nicht den Tod gewünscht!
31-32 Kein Gast ist je von meinem Haus hungrig weggegangen, keinen Fremden ließ ich draußen auf der Straße übernachten, nein, meine Tür stand dem Wanderer stets offen - meine Männer können es bezeugen!
33 Ich habe nie versucht, mein Unrecht zu verbergen oder meine Schuld geheim zu halten, wie alle anderen es tun.
34 Ich bin nicht stumm zu Hause geblieben aus Angst, dass meine Sippe mich verachten könnte; ich scheute nicht die große Menge.
35 Ach, wenn Gott mich nur anhörte! Hier ist die Unterschrift unter meine Verteidigung! Ich erwarte, dass der Allmächtige mir darauf antwortet! Mein Gegner soll seine Anklagen schriftlich niederlegen!
36 Ja, ich würde dieses Schriftstück auf der Schulter tragen und es mir wie eine Krone aufsetzen!
37 Über jeden Schritt würde ich Gott Rechenschaft geben, wie ein Fürst ihm gegenübertreten!
38 Wenn mein Acker wegen mir um Hilfe schreien musste und seine Furchen von Tränen durchnässt waren,
39 wenn ich seinen Ertrag verzehrt habe, ohne ihm zu geben, was ihm zusteht; wenn ich die Pächter zugrunde gerichtet habe,
40 dann sollen auf dem Acker Dornen statt Weizen wachsen und Unkraut statt der Gerste!" Hier enden die Reden Hiobs.

Hiob 38,1-11; 40,1-5

Ansichten
Hand vor den Mund! (Hiob 38,1-11; 40,1-5)

Gott ist es, der das endgültige Urteil fällt. Hiob wird in dieses Geschehen hineingenommen. Die Rede Gottes wirkt gleichermaßen, was sie aussagt. Gott ist nicht der Befragte und von Hiob Herausgeforderte, sondern er stellt hier die entscheidenden Fragen. Auf Hiobs Leid und Klagen geht Gott überhaupt nicht ein, die vorgebrachte eigene Rechtfertigung ignoriert er. Ist das Absicht? Ja. Hiob wird von Gott in die Schranken gewiesen. Das Wunder der Schöpfung entzieht sich den Kriterien Hiobs (z. B. ob etwas nützlich sei oder nicht). Vor der Wirklichkeit Gottes wird sich Hiob dessen bewusst, wie es um seine eigene Wirklichkeit bestellt ist: ziemlich mickrig. Wenn Gott redet, verstummt der Mensch. Aber das Ende des Weges Hiobs und des Menschen ist der Anfang der Wege Gottes mit Hiob und mit uns.

Siehe, ich bin zu gering, was soll ich antworten?“ Hiob 40,4a

Bibellesung
Hiob 38,1-11; 40,1-5

1 Dann aber redete Gott mit Hiob. Er antwortete ihm aus dem Sturm:
2 "Wer bist du, dass du meine Weisheit anzweifelst mit Worten ohne Verstand?
3 Tritt mir gegenüber wie ein Mann, und gib mir Antwort auf meine Fragen!
4 Wo warst du, als ich das Fundament der Erde legte? Sag es doch, wenn du so viel weißt!
5 Wer hat ihre Maße festgelegt und wer die Messschnur über sie gespannt? Du weißt es doch, oder etwa nicht?
6 Worin sind die Pfeiler der Erde eingesenkt, und wer hat ihren Grundstein gelegt?
7 Damals sangen alle Morgensterne, und die Engel jubelten vor Freude.
8 Wer schloss die Schleusentore, um das Meer zurückzuhalten, als es hervorbrach aus dem Mutterschoß der Erde?
9 Ich hüllte es in Wolken und in dichtes Dunkel wie in Windeln;
10 ich setzte dem Meer eine Grenze, schloss seine Tore und Riegel
11 und sprach: 'Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter! Hier müssen sich deine mächtigen Wogen legen!'

1 Der Herr fragte Hiob:
2 "Willst du weiter mit mir streiten, mich, den Allmächtigen, immer noch tadeln? Du hast mich angeklagt, nun steh mir Rede und Antwort!"
3 Darauf antwortete Hiob nur:
4 "Herr, ich bin zu gering, ich kann dir nichts erwidern; darum lege ich jetzt die Hand auf den Mund.
5 Einmal habe ich geredet und dann noch einmal - aber ich will es nicht wieder tun; ich habe schon zu viel gesagt!"

Hiob 40,6 - 41,3; 42,1-6

Ansichten
Was soll ich da noch sagen, ausser: Du vermagst alles! (Hiob 40,6 - 41,3; 42,1-6)

Gott redet. Hiob denkt darüber nach und kommt zur Einsicht: Ich habe unweise geredet. Ich habe damit Schuld auf mich geladen. So tut Hiob, was nun ansteht: Er tut Buße. Er gibt Gott die Ehre, die Gott als Gott gebührt. Staunend anerkennt er das Walten des Allmächtigen, des Schöpfers Himmels und der Erde. Wie kommt das? Gott selbst hat Hiob dahin geführt, zu dieser Erkenntnis: Ich kann als Mensch Gottes Wirken und Walten letztlich nicht verstehen. Probieren geht zwar über studieren – Versuch macht klug. Aber jeder noch so vernünftige Versuch, Gottes Wirken endgültig zu erklären, wird scheitern müssen, weil er im Widerspruch zu Gott selbst steht. Aber Gott schenkt Hiob Einsicht in sein eigenes Herz. Im Herzen Gottes sind die Widersprüche des menschlichen Lebens aufgehoben.
Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer.“ Hiob 42,2

Bibellesung
Hiob 40,6 - 41,3; 42,1-6

6 Da sprach Gott zu Hiob aus dem Sturm:
7 "Tritt mir gegenüber wie ein Mann, und antworte auf meine Fragen!
8 Willst du mein Urteil widerlegen und mich schuldig sprechen, nur damit du recht behältst?
9 Besitzt du Macht wie ich, kannst du mit gleicher Stimme donnern?
10 Dann schmück dich mit Würde und Macht, bekleide dich mit Pracht und Majestät!
11 Dann lass deinen Zorn losbrechen, finde jeden stolzen Menschen heraus und erniedrige ihn!
12 Spür jeden Überheblichen auf, und zwing ihn in die Knie, tritt die Gottlosen an Ort und Stelle nieder!
13 Verscharre sie alle in der Erde, zieh das Leichentuch über ihr Gesicht!
14 Dann will ich der Erste sein, der dich preist, weil du mit eigener Hand den Sieg errungen hast!"
15 "Schau dir den Behemot an, den ich geschaffen habe wie auch dich! Er frisst Gras wie ein Rind.
16 Wie stark sind seine Lenden, welche Kraft hat er in den Muskeln seines Bauches!
17 Er macht seinen Schwanz steif wie eine Zeder, dicht verflochten sind die Sehnen an den Schenkeln.
18 Seine Knochen sind fest wie Bronzeröhren, seine Rippen gleichen Eisenstangen.
19 Unter meinen Werken nimmt er den ersten Platz ein, und nur ich, sein Schöpfer, kann das Schwert gegen ihn ziehen.
20 Auf den Hügeln wächst das Gras, sein Futter, und die wilden Tiere spielen neben ihm.
21 Er liegt unter Lotusbüschen, versteckt sich im Schilf und im Sumpf.
22 Die Lotusbüsche verbergen ihn und spenden ihm Schatten, bei den Pappeln am Ufer findet er Schutz.
23 Schwillt der Fluss mächtig an - ihm wird nicht bange; er bleibt ruhig, selbst wenn der Jordan ihm ins Maul flutet.
24 Meinst du, ein Mensch kann dieses Tier von vorne packen, es fangen und ihm einen Ring durch die Nase ziehen?
25 Kannst du den Leviatan am Angelhaken aus dem Wasser ziehen oder seine Zunge mit einem Seil hinunterdrücken?
26 Kannst du ihm einen Strick durch die Nase ziehen oder sein Kinn mit einem Haken durchstechen?
27 Meinst du, er wird dann um Gnade winseln und dich mit Worten umschmeicheln?
28 Meinst du, er wird sich dir ergeben, und du kannst ihn für immer als Knecht behalten?
29 Was willst du mit ihm tun? Ihn anbinden und wie einen Vogel halten, ihn deinen Mädchen zum Spielen geben?
30 Meinst du, die Jäger könnten jemals um seine besten Stücke feilschen und sie an Händler verkaufen?
31 Kannst du seinen Panzer mit Harpunen spicken oder mit Fischerhaken seinen Kopf?
32 Versuch es nur, mit ihm zu kämpfen! Daran wirst du noch lange denken und es nicht noch einmal wagen!

1 Trügerisch ist jede Hoffnung, ihn zu fangen; sein bloßer Anblick wirft dich schon zu Boden!
2 Wenn es niemand wagen kann, ihn auch nur zu reizen, wer will dann mir erst gegenübertreten?
3 Wer hat mir jemals etwas gegeben, das er nun von mir zurückfordern könnte? Mir gehört die ganze weite Welt.

1 Da antwortete Hiob:
2 "Herr, ich erkenne, dass du alles zu tun vermagst; nichts und niemand kann deinen Plan vereiteln.
3 Du hast gefragt: 'Wer bist du, dass du meine Weisheit anzweifelst mit Worten ohne Verstand?' Ja, es ist wahr: Ich habe von Dingen geredet, die ich nicht begreife, sie sind zu hoch für mich und übersteigen meinen Verstand.
4 Du hast gesagt: 'Hör mir zu, jetzt rede ich, ich will dich fragen, und du sollst mir antworten!'
5 Herr, ich kannte dich nur vom Hörensagen, jetzt aber habe ich dich mit eigenen Augen gesehen!
6 Darum widerrufe ich meine Worte, ich bereue in Staub und Asche!"

Hiob 42,7-9

Ansichten
Tut mir leid, ihr habt nicht recht von mir geredet! (Hiob 42,7-9)

Hat Hiob Buße getan aufgrund der Ratschläge seiner Freunde? Nein. Die Freunde haben ihm nicht weitergeholfen, ihn eher noch auf eine falsche Fährte gesetzt. Hiob selbst kann sich nicht rechtfertigen. Gott aber rechtfertigt Hiob vor seinen Freunden und macht damit deutlich: „Ich habe und ich behalte die Dinge in der Hand. In Hiobs Leben, in eurem Leben, ihr Freunde Hiobs.“ Worum ging es die ganze Zeit? Um Gottes Ehre. Um seine Gnade. Gott nimmt Hiob in seinen Dienst. Er, der Gottes Gnade erlebt und gespürt hat, darf nun selbst Zeuge dessen werden, wie Gott eigentlich handelt: aus Gnaden! Gott hat Hiob in Gnaden angenommen, den Mann mit seinen Widersprüchen und Fragen. An ihm kann man das lernen und erkennen. Die Freunde tun gut daran, sich am Handeln Gottes an Hiob – am Menschen in seinem Widerspruch – ein Beispiel zu nehmen.

Geht hin zu meinem Knecht Hiob.“ Hiob 42,8b

Bibellesung
Hiob 42,7-9

7 Nachdem der Herr dies alles zu Hiob gesagt hatte, wandte er sich an Elifas aus Teman: "Ich bin voller Zorn über dich und deine beiden Freunde, ihr habt nicht die Wahrheit über mich gesagt, so wie mein Diener Hiob es tat!
8 Bringt nun sieben junge Stiere und sieben Schafböcke, geht damit zu meinem Diener Hiob, und bringt sie als Brandopfer dar! Hiob soll für euch beten, denn nur ihn will ich erhören und euch um seinetwillen nichts Böses tun. Denn ihr habt nicht wie er die Wahrheit über mich gesagt."
9 Da taten Elifas aus Teman, Bildad aus Schuach und Zofar aus Naama, was ihnen der Herr befohlen hatte. Und Gott erhörte Hiobs Gebet.

Hiob 42,10-17

Ansichten
Mehr als nur ein "Happy End" (Hiob 42,10-17)

Hiob, der leidgeprüfte, der duldsame Gottesmann, wird wiederhergestellt, kann man meinen. Jetzt herrschen wieder Harmonie und Friede. Und warum auch nicht: Hiob ist ja durch Gott wieder zu Ehren gebracht worden. Um die Ehre Gottes ging es am Anfang des Hiobbuches und um sie geht es auch weiterhin, am Ende, auch in Hiobs Leben. Doppelt so viel wie vorher wird ihm von Gott geschenkt. Er darf fröhlich sein, alt und lebenssatt sterben. Weil er den „fetten“ Segen Gottes intensiv erleben durfte: Schafe, Kamele, Rinder, Eselinnen – der ganze Reichtum eines Viehzüchters aus alter Zeit. Hiob wird von Gott ausgezeichnet als einer, der in der Reihe derer steht, die Gott sichtbar gesegnet hat und an denen die Verheißungen Gottes spürbar wurden. Daher ist Hiob als frommer Mensch anzusehen, als von Gott gerecht gemacht. Um Gottes willen!

Du sollst fröhlich sein vor dem Herrn, deinem Gott ...“ 5. Mose 16,11a

Bibellesung
Hiob 42,10-17
10 Als Hiob für seine Freunde betete, da wendete der Herr für ihn alles zum Guten. Er gab ihm doppelt so viel, wie er früher besessen hatte.
11 Alle seine Brüder und Schwestern und die früheren Bekannten besuchten ihn wieder. Sie aßen mit ihm in seinem Haus und trösteten ihn wegen des Unglücks, das der Herr über ihn gebracht hatte. Jeder schenkte ihm ein Silberstück und einen Ring aus Gold.
12 Der Herr segnete Hiob von jetzt an mehr als zuvor. Bald besaß er 14000 Schafe und Ziegen, 6000 Kamele, 1000 Rindergespanne und 1000 Esel.
13 Er bekam auch wieder sieben Söhne und drei Töchter.
14 Die erste nannte er Jemima ("Täubchen"), die zweite Kezia ("Zimtblüte") und die dritte Keren-Happuch ("Schminkdöschen").
15 Im ganzen Land gab es keine schöneren Frauen als Hiobs Töchter; sie durften mit ihren Brüdern das Erbe teilen.
16 Hiob lebte noch 140 Jahre, er sah Kinder und Enkel bis in die vierte Generation.
17 Schließlich starb er in hohem Alter nach einem reichen und erfüllten Leben.

Quelle: www.jesus.ch TERMINE MIT GOTT