Judas Evangelium

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Das Judasevangelium

Irenäus von Lyon




ist eine apokryphe Schrift, die zum ersten Mal von Irenäus von Lyon in Adversus haereses (um 180) erwähnt wird (Adv. Haer. I 31,1), aber bis vor kurzem als verschollen galt. Der wichtigste und älteste Zeuge bleibt bis heute Irenäus. Die Schrift ist wohl im 2. Jahrhundert n. Chr. in einer frühchristlich-gnostischen Sekte entstanden. Für die Gnostiker ist das höchste Ziel die Erkenntnis (griech.: γνῶσις; gnosis), aufgrund derer man sich selbst erlösen kann. Das Judasevangelium ist vergleichbar mit anderen apokryphen Evangelien wie z. B. dem Thomasevangelium oder dem gnostischen Evangelium der Wahrheit.

Geschichte des Dokumentes
Irenäus von Lyon hatte das Buch in der christlichen Gemeinde von Gallien entdeckt, in der Judas Ischariot von Teilen nicht als Verräter, sondern als Held und Elite-Jünger dargestellt wird. Der Verrat wird im apokryphen Judasevangelium als 'Mysterium der Erlösung' gedeutet: Jesus habe Judas um den Verrat gebeten, um von seiner körperlichen Hülle befreit zu werden und seiner Aufgabe als Messias vollkommen entsprechen zu können. Diese Sichtweise wird von Irenäus ebenso wie von weiteren Kirchenvätern, die das Buch erwähnten, strikt abgelehnt. Im 6. Jahrhundert hat sich die Spur des Buchs endgültig verloren.

Der Text des Judas-Evangeliums ist heute bekannt durch die Entdeckung des sogenannten Codex Tchacos in Mittelägypten (in der Nähe der Stadt al-Minya) in den 1970er Jahren. Es handelt sich um einen Papyrus-Codex aus dem 4. Jahrhundert. Man hat spekuliert, dass ein zugrundeliegender griechischer Text aus dem 1. Jahrhundert stammen könnte. Kurz nach dem Fund wurde das Dokument von einem ägyptischen Händler überteuert zum Kauf angeboten. Nachdem es kurzzeitig gestohlen wurde und ein möglicher Verkauf doch nicht zustande kam, gelangte der Codex von Kairo über die Schweiz nach New York, wo er gut 16 Jahre in einem Bankschließfach des Händlers verschwand und im Februar 2002 von der Maecenas-Stiftung mit Sitz in Basel erworben wurde. Laut Rodolphe Kasser soll der Codex ursprünglich aus 31 auf Vorder- und Rückseite beschriebenen Blättern bestanden haben, von denen nur ein Teil noch vorhanden ist. Der Verbleib der fehlenden Blätter ist unbekannt.

Durch unsachgemäße Lagerung war der Codex in hunderte kleiner Fragmente zerfallen. Für die Rekonstruktion wurde jedes Fragment beidseitig fotografiert und von dem Religionshistoriker Gregor Wurst von der Universität Augsburg und seinen Kollegen am Computer zusammengesetzt. Im Lauf von drei Jahren konnten dabei fast 90 Prozent des Textes rekonstruiert werden. Das unter Leitung des Genfer Professors Rodolphe Kasser übersetzte Manuskript wurde 2006 publiziert. 2007 erschien eine kritische Ausgabe sämtlicher Texte des Codex.

Im Jahr 2009 wurde ein Großteil der noch fehlenden Fragmente, die in einem Versteck in den USA lagerten, durch einen Gerichtsbeschluss freigegeben. Sie sollen nun in Europa mit den bereits bekannten Teilen des Codex wiedervereinigt und ausgewertet werden.

Link zum Judas - Evangelium: judasevangelium.zip

Zum Judas - Evangelium:
Unter den Bibelwissenschaftlern und kirchenhistorikern steht zweifelsfrei fest, dass Judas Ischkariot nicht der Verfasser dieses Evangeliums ist.
Wie ist das Judas - Evangelium zu verstehen?
Der unbekannte Verfasser wollte sicherlich die heranwachsende Kirchengemeinde provozieren. Die provokative Darstellung Judas zu Jesus hin sollte aber zum Anlass genommen werden über das Judasbild im Neuen Testament nachzudenken. Der historische Judas war nicht geldgierig noch verschlagen, sondern die Motive für sein Handeln liegen für uns weitgehend im Dunkeln.
Auch im Judas - Evangelium wird keine Antwort darauf gegeben, warum Judas Jesus verriet.


DAS  JUDASEVANGELIUM   IM  LICHTE  JESU



Nachträglich aus der Sicht der Evangelien betrachtet, ist die Rolle Judas unter den Aposteln nicht eindeutig dargestellt.
War er wirklich von Anfang an ein Schurke?
Im Markus Evangelium (dem Ältetsen) wird Judas zu den berufenen 12 Jüngern gezählt. Erst in den letzten Tagen wendet er sich vom Meister ab. Über seine Motive wird nichts gesagt, und Geld wird im erst nach dem Verrat geboten.

Im Matthäus Evangelium wird die Tat Judas als Erfüllung der alttestamentalichen Prophezeiung dargestellt. Judas selbst, verlangt nun Geld für den Verrat. Nach seinem Verrat und Jesus Tod am Kreuz, erhängt sich Judas. Im Markus Evangelium ist davon noch nicht die Rede.

Im Lukas Evangelium wird das Judasbild um einige weitere Züge erweitert. Von Anfang an wird Judas explizit als Verräter bezeichnet. Er wird als Handlanger Satans dargestellt.

Im Johannes Evangelium spitzt sich die zunehmende negative Darstellung Judas entgültig zu. Hier ist Judas von Anfang an ein Ungläubiger, seine Jüngerschaft weitgehend Heuchelei, und seine Habgier schon immer dadurch gestillt, dass er sich aus der Kasse der Zwölf bediente. Der Verräterlohn wird nicht mehr erwähnt. Hinter der tat Judas steht von Anfang an der Teufel.

Judas Der vorbestimmte Verräter!



Da Jesus die Prophezeiungen bezüglich seiner Person erfüllen wollte, setzte es auch voraus, dass er von einer Person aus seinem innersten Gefolgschaftkreises verraten werden musste. Nur eine solche Person konnte die Zukunftsplanung, hinsichtlich der Wege Jesus kennen und preisgeben.

Kann Judas als treuer Jünger gesehen werden?
Wie ist der Verrat zu werten den er auf Geheiss des Herrn ausführte?


1. Feststellung:

Judas war bei Jesus Kassenwart. Die gemeinsame Kasse wird regelmäßig nur demjenigen anvertraut, der dafür am geeignetsten erscheint. Das ist bei der Person anzunehmen, welche als am ehrlichsten und würdigsten gilt. Dass sich Jesus bei der Auswahl seiner Jünger aber insbesondere im Hinblick auf seinen Kassenverwalter getäuscht haben sollte, steht seiner direkten Inspiration durch den Heiligen Geist entgegen. Jesus beherrschte kraft seines Seins und seiner Fähigkeiten die Szene insgesamt und vollkommen. Für einen Verrat, der mit etwas Geld belohnt wird, fehlt bei einem Kassenverwalter zudem noch das Motiv. Da hätte sich Judas mit der gemeinsamen Kasse - für ihn wesentlich leichter und unproblematischer - schon früher auf und davonmachen können.

2. Feststellung:

Für Jesus galt es den Willen des Vaters zu erfüllen, den er in beständig umfassender Selbst- und Weltwahrnehmung zu erkennen bekam. Da war in erster Linie die Schrifterfüllung zu beachten, als ja darin bereits schon der Wille des Vaters eingegossen und vorgegeben war. Das betraf die alttestamentlichen Ausführungen bei den Propheten über den geschlagenen und geopferten Knecht Gottes. Die allgemeine Verständnislosigkeit bei den Juden, wer und was Jesus darstellte, führte effektiv zu Kritik an Jesus und stand damit einem Glauben an ihn entgegen. Für Jesus gab es angesichts einer solchen Vertracktheit - gleichfalls als Wille des alles bewirkenden Vaters erkennbar - quasi nur noch die Ausführung der "Ultima Ratio" bzw. die totale Selbstopferung mit dem Tod am Kreuz durch den Henker. Mit anschließender alle bisherige Selbst- und Weltverständnis sprengenden Wiederauferstehung aus dem Grab und Himmelfahrt wäre der bis dahin unmöglich gewesene Glauben dann möglich geworden, und damit das Werk des Vaters vollendet.

3. Feststellung:

Aus der vorgenannten sowie den entsprechenden Bibelversen zu entnehmenden Feststellung lässt sich ohne weiteres ableiten, dass Judas wegen seiner Vertrauensstellung und seiner damit gegebenen Nähe zu Jesus der einzige in Frage kommende Jünger Jesu für ein Hilfestellung gebendes Erfüllungsmanagement gewesen sein muss. Denn Jesus musste sichergehen, dass die Dinge sich genau so entwickeln würden, wie er sie für seine Schriftenerfüllung brauchte. So was geht regelmäßig nicht durch passives Verharren und Abwarten, sondern nur durch eine aktive Lenkung und "In die Wegeleitung", wie sie Jesus ja schon mit der Tempelreinigung beispielhaft vollzogen hatte. Für seinen kurzfristigen Hinrichtungstod wurde eben ein sehr zorniger Hoher Rat benötigt, wobei man sich da auch nicht beim Römischen Statthalter rechtfertigen und verteidigen durfte. Dass Judas nun der enormen geistseelischen Belastung seiner Mission nicht standgehalten hat, und daran zugrunde gegangen ist, das spricht nicht etwa gegen sondern für ihn. So geht es bekanntlich entlohnten und sich selbst überlassenen Verrätern regelmäßig sehr gut, es sei denn, ihr Verrat erfolgte auf zu befolgenden Geheiß unter Ausschaltung des eigenen Willens und dazugehöriger Überzeugung. Letztlich hatte also Judas unausweichlich ohne Wenn und Aber den Willen von Sohn und Vater auszuführen, auch zum hohen Preis des eigenen Zerbrechens.

Fazit:

Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass sehr wahrscheinlich Judas im ewigen Reich des Herrn die ihm unter all den Jüngern Jesu gebührende Stellung einnehmen wird. Denn man muss sich nur einmal den unter den Evangelisten kompetentesten Text genau ansehen, um sogleich zu erkennen, was Wahrheit und Sache ist:

Joh 13,26  Jesus antwortete: Der ist's, dem ich den Bissen eintauchen und geben werde. Und er taucht den Bissen ein und gibt ihn dem Judas, Simons Sohn, dem Ischariot.
Joh 13,27  Und nach dem Bissen, da fuhr der Satan in ihn. Da spricht Jesus zu ihm: Was du tun willst, das tue bald!
Joh 13,30  Da nun jener den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Es war aber Nacht.

Aus dem Text ergibt sich sehr deutlich, dass vor dem gereichten Bissen der Satan noch nicht in Judas wirksam war, und Judas auch noch keinen Auslieferungswillen hatte. Indem Jesus aktiv den Bissen an Judas reicht, wird Judas von Jesus willentlich sozusagen dem Satan preisgegeben, der damit bei Judas quasi die Regie übernimmt, weil der von sich aus zu solcher Tat gar nicht fähig gewesen wäre. Das steht in bester Übereinstimmung mit dem suizidalen Ende des Judas, der nach seiner Tat wohl wieder zu Sinnen gekommen, alsdann in totaler Verzweiflung zwingend in den psychischen Abgrund stürzen musste. Aus moderner psychologischer Sicht ist das Verhalten sowohl von Jesus als auch von Judas absolut verständlich und nachvollziehbar. Wäre die Durchsetzung von des Vaters Willen - für eine schlussendliche Erlösung von Welt und Mensch in seiner paradiesischen Ewigkeitswelt - anders möglich gewesen, wir dürfen sicher sein, so hätten Jesus und Judas nicht sterben müssen.

Jesus hatte zu Judas ein enges freundschaftliches Verhältnis, wobei natürlich immer derjenige der das gemeinsame Geld verwaltet besonders kritisch und meist auch wenig wohlwollend von den anderen beäugt wird. Finanzverwalter stehen ja auch sonst immer in der öffentlichen Kritik. Bibelpassagen die Judas in Misskredit bringen, sind unter diesem Aspekt zu sehen. Wäre Judas Dieb und Verräter gewesen, dann hätten sich die übrigen Jünger bereits schon sehr früh gegen Judas gewandt, sowie von Jesus seine Entfernung aus ihrer Gemeinschaft verlangt. Dies war nicht geschehen, weil es eben an Judas konkret nichts auszusetzen gab.
Der Suizid des Judas war für die übrigen Jünger der Beweis für einen Verrat gewesen, im Sinne eines Schuldeingeständnisses, was so zu den genannten Bibelversen führte.
Jesus hatte offenbar die übrigen Jünger beim letzten Abendmahl über die Rolle des Judas hinsichtlich seiner von ihm aktiv ausgeführten Selbstopferung  nicht informiert. Und zwar deshalb nicht, weil das auch keiner von ihnen verstanden hätte.
Von Jesu Mission und Auftrag konnten sie, und ggfs.darüber hinaus wenn es Jesus wünschte, nur aus menschlicher Sicht die Abläufe begreifen.

Die Judas - Darstellung in den folgenden Evangelien ist sicherlich stark menschlich geprägt. Wir Menschen könne halt nur soviel erfassen, wie der Heilige Geist es zulässt.















Quelle:
Wikipedia
Meinungen rund um das Judasevangelium - von Agnus D. / anno domini 2006