Besiedlung des Landes Israel
Aus: „Die Bibel und ihre Welt“, Lybbe Verlags-GmbH
Die Landnahme des Zwölfstämmebundes unter Josua um 1220 vor Chr. Die Gebiete der 12 israelischen Stämme unmittelbar nach der nur teilweise militärisch abgesicherten, ansonsten durch eine Zuwanderung über 20 Jahre ziemlich friedlich verlaufenden Landnahme des kanaanitischen, bergigen Hinterlandes, des Jordantals und des östlichen Gebiete von Moab und Amon. Die Küstenebene und die nicht gestrichelten Regionen bleiben in der Hand der Philister oder der kanaanitischen Machthaber, beispielsweise Jerusalem.
Nach neuesten Forschungen sollen etwa 5750 wehrfähige, israelitische Männer aller 12 Stämme aktiv geworden sein.
Sichem, religiöser und politischer Mittelpunkt des Zwölfstämmebundes nach der Landnahme um 1200 vor Chr.. Stadt der Erneuerung des „Bundes mit Gott Jahwe“
Der Bibel nach baute bereits Abraham ca. 650 Jahre zuvor hier in Sichem einen Altar, wobei die Stadt zwischen 1220 und 1550 vor Chr. auch ein Mittelpunkt der Kanaanäer war. In dieser Stadt lebten mit durchaus anderen Lebensgewohnheiten auch die in Kanaan gebliebenen und nicht nach Ägypten ausgewanderten Hebräer. Jedenfalls zieht Josua nach der “Jericho-Kampagne“ von dort nach Sichem und übernimmt die Stadt kampflos. Es ist ihm dort möglich, die Erneuerung des Bundes mit Gott Jahwe zu zelebrieren ( Jos. 24 ). Er bringt die Stadt friedlich unter israelitischen Einfluss. Alle Bevölkerungsteile kollaborieren mit den Israeliten. Die Stadt Sichem wird bis König Davids Zeiten, ca. 180 Jahre später, und bis dieser Jerusalem von den Kanaanäern erobert, eine wichtige Rolle in Religion und Organisation der Israeliten dabei spielen. David erwirbt die Stadt zu seinem persönliche Besitz und macht Jerusalem zur Hauptstadt des Staates Israel. Ende des 10. Jh. vor Chr. -das Reich Sauls, Davids und Salomons wird in die Staaten Juda im Süden und Israel im Norden aufgeteilt- macht der 1. König Jerobeam des nachfolgenden souveränen Königreiches Israel Sichem zu seiner Hauptstadt.
Bei der Verteilung des Landes Kanaan wurde die Jericho-Region dem Stamme Benjamin zugewiesen (Jos. 18,21).
Neuere Forschungen haben jedoch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ergeben, dass Josuas Hebräer, jetzt Israeliten genannt, oberhalb der Jordaneinmündung in das Tote Meer, auf sesshafte Hebräer stießen, die den Auszug nach Ägypten zur Zeit des Patriarchen Jakob ca. 470 Jahre zuvor gar nicht mitvollzogen hatten. Sesshafte Hebräer in Kananan und die nomadisierenden, 40 Jahre zuvor noch in Ägypten versklavten 12 Stämme der Israeliten siedeln sich, über 2 Jahrzehnte verteilt, in den meist menschenleeren gebirgigeren Regionen von Kanaan an.
Man ließ dabei die kanaanitischen Stadtstaaten mit teilweise hebräischen Mitbewohnern zunächst “links liegen“, um diese zu einem späteren Zeitpunkt zu bezwingen oder kampflos zu übernehmen. Der attraktive monotheistische Jahwe-Glauben wird dabei nicht wenige Familien der kanaanitischen Urbevölkerung, nicht so sehr deren Adel, veranlasst haben, zu dieser Religion und zum Hebräertum überzutreten. Es hat also kein radikales Verdrängen der Kanaanäer durch Kriegseinwirkung gegeben, vielmehr könnte es sein, dass die Urbevölkerung die Gunst der Stunde nutzend, sich mit den anrückenden Israeliten -dem Zwölfstämmebund- zusammentaten, um ihre ausbeuterische, feudale Herrscherschicht loszuwerden.




