Eroberung Judas durch Babylon

(Relief aus Nimrud 8. Jh. v. Chr., London, British

Die babylonische Eroberung beendete zwar das erste jüdische Staatswesen, das auch als die Zeit des Ersten Tempels bekannt geworden ist, nicht jedoch die Verbundenheit des jüdischen Volkes mit dem Land Israel. Die Juden saßen an den Wassern zu Babylon und gelobten, ihr Heimatland immer im Gedächtnis zu behalten: Vergesse ich dich, Jerusalem, so verdorre meine Rechte. Meine Zunge soll am Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Freude sein (Psalm 137, 5-6).

Der König und die Oberschicht des Landes (Handwerker und Kaufleute) wurden in die Verbannung nach Babylonien geführt - Deportationen gehörten zu den Machtmitteln altorientalischer Herrscher. Zehn Jahre später wagten die Juden erneut den Aufstand, im Vertrauen auf ägyptische Hilfe. Dieser Aufstand scheiterte und Nebukadnezar ließ die Hauptstadt Jerusalem zerstören. Nochmals wurden schätzungsweise 45 000 Menschen nach Babylon zwangsumgesiedelt. Die Verbannten wohnten in geschlossenen Siedlungen; ihr nationaler Zusammenhang blieb gewahrt und ihre Hoffnung auf Rückkehr ins eigene Land erhalten. Sie wurden nicht zur Aufgabe ihrer religiösen Bräuche gezwungen und unterlagen keinen Sondergesetzen. Die Berufsvielfalt der Israeliten wurde in Babylonien weiter gepflegt (Landwirtschaft, Handel und Verwaltung).

Das babylonische Exil im Anschluss an die Zerstörung des Ersten Tempels (586 v. Chr.) ist der Anfang der jüdischen Diaspora. Hier begann der Judaismus zu einem religiösen Gefüge und zu einer Lebensweise außerhalb des Landes Israel zu werden, was letztlich das nationale und spirituelle Überleben des Volkes sicherte und ihm so viel Lebenskraft vermittelte, dass seine Zukunft als Nation gewahrt blieb.