Britische Einwanderungseinschränkung
Das Jahr 1939 ist Wendepunkt und zugleich Ende einer Epoche. Von nun an tritt der latente Interessenkonflikt des Zionismus und Großbritanniens offen zutage. Der Ausbruch des Krieges zwingt die Briten wie Zionisten, ihre traditionelle Zusammenarbeit zu verstärken. Aber auf beiden Seiten lassen sich die Führer nicht täuschen : dieses Zwischenspiel ist nicht dazu bestimmt, lange zu währen.
1939: Das „MacDonald Weißbuch“
Das „MacDonald Weißbuch“ wurde am 17. Mai 1939 herausgegeben. Gemäß der Erklärung der Woodhead Kommission, eine Teilung sei undurchführbar, und angesichts des Scheitern der St. James Konferenz im Februar/März 1939, wurde eine neue Vorgehensweise in Palästina propagiert.
Das „MacDonald Weißbuch“ schlug die Gründung eines einheitlichen palästinensischen Staates innerhalb eines Zeitraumes von zehn Jahren vor. Die Grenzen dieses Staates sollten das Mittelmeer und der Jordan sein. Das Weißbuch umriß auch einen Fünfjahresplan für die Einwanderung von 75.000 Juden (10.000 pro Jahr und 25.000 Flüchtlinge zusätzlich). Danach sollten weitere Einwanderungen nur mit arabischer Zustimmung gestattet werden. Im März 1940 beschränkten die Briten in einer Grundsatzerklärung über Landtransfer auch den Landkauf.
Im Februar 1940 vollendet die Gesetzgebung über Grund und Boden die Wendung der britischen Politik. Jene unterteilt Palästina in drei Regionen, die Zonen A, B und C. In der ersten, die 63,4% der Fläche des Landes umfaßt, ist jegliche Übertragung arabischen Bodens auf Juden untersagt. In der zweiten, 31,6%, werden diese Geschäfte über Grund und Boden der Genehmigung der Regierung unterworfen. Der Küstenbereich und die Peripherie von Jerusalem bilden die Zone C, etwa 5% des palästinensischen Bodens, wo Übertragungen von Grundstücken zugunsten der jüdischen Bevölkerung frei zugelassen sind. In Wirklichkeit ist diese Region von den zionistischen Einwanderern schon vollständig kolonisiert, so daß diese Klausel keine praktische Bedeutung besitzt.
Nach dem Vorschlag der Teilung des Landes durch die Peel-Kommission hatten sich die zionistischen Siedler bemüht, einige vollendete Tatsachen zu schaffen, die dazu bestimmt waren, weniger in Beziehung auf die Engländer als vielmehr gegen die Araber ihre Position zu verstärken.
Alle offenen Türen schließen sich in dieser schlimmen Zeit vor den jüdischen Flüchtlingen, außer manchmal für einer noch vom Glück begünstigten Minderheit, der es gelingt, zu entkommen. Kein Land will sie aufnehmen. Nur das jüdische Gemeinwesen in Palästina verkündet öffentlich seinen Willen, die Zehntausende der Nazi-Hölle Entronnenen aufzunehmen, aber gerade dagegen widersetzt sich England.
Der Krieg ließ eine große Zahl jüdischer Flüchtlinge in Europa zurück, von denen viele, durch die Zionisten ermutigt, wünschten, in Palästina einzuwandern. Da die palästinensischen Araber in ihrem eigenen Lande nicht eine Minderheit werden wollten, übten sie auf die britische Regierung Druck aus, damit diese die jüdische Einwanderung stoppe. Daraufhin beginnen die Zionisten in großem Maßstab die illegale Einwanderung zu organisieren. Die Briten suchten nicht nur wegen des arabischen Druckes sie daran zu hindern, sondern auch, weil die Unabhängigkeitsbestrebungen sie beunruhigten.
Die "Exodus" im Hafen von Haifa. Im Juli 1947 werden die illegalen Einwanderer auf drei britische Schiffe gebracht und nach Europa deportiert
Die «Exodus»-Tragödie
Die britische Weissbuch-Politik wirkte sich erst nach Kriegsende in aller Schärfe aus. Tausende von Überlebenden der Shoah auf Schiffen wurden vor allem nach Zypern in Internierungslager deportiert, die Haganah unternahm alles Erdenkliche, um «illegale» Einwanderer unentdeckt an Land zu bringen, und zahlreiche Sabotageakte wurden verübt, um namentlich Installationen zu zerstören, die der Aufspürung von Flüchtlingsschiffen dienten. Die sehr gefühlskalte britische Politik erreichte ihren Höhepunkt mit der weltweit auf grosse Empörung gestossenen Rückschaffung von 4500 Flüchtlingen auf der «Exodus», am Schluss ausgerechnet nach Hamburg. Die Beziehungen des Yishuv zu Grossbritannien fielen in den drei Jahren bis zum Abzug der Engländer auf einen nie zuvor gekannten Tiefpunkt. Dem eingeschlagenen Kurs der nach Kriegsende ans Ruder gekommenen Labour-Regierung lag aus damaliger Sicht die Wahrung britischer Interessen im Nahen Osten zugrunde. Dieser Kurs widersprach indessen früheren Beteuerungen der gleichen Politiker, und er ist untrennbar mit dem Namen seines Exponenten, Aussenminister Bevin, verbunden. Als die Palästinafrage nach Ablehnung der Berichte von zwei anglo-amerikanischen Kommissionen unlösbar schien, überwies Bevin sie im Februar 1947 der Uno zwecks Entscheidung und kündigte damit das britische Mandat. Die Uno setzte ebenfalls eine Kommission ein, die als Folge des niederschmetternden Eindrucks nach Besuchen in den DP-Lagern sowie angesichts der «Exodus»-Tragödie einen Mehrheitsbericht zur Teilung Palästinas einreichte; bei einem erforderlichen Minimum von zwei Dritteln wurde er von der Generalversammlung mit 33 zu 13 Stimmen bei 10 Enthaltungen in New York am 29. November 1947 angenommen. Weizmann deutete das Resultat nicht als Entscheidung zwischen Recht und Unrecht, sondern zwischen einer kleineren und einer grösseren Ungerechtigkeit.





